Ärzte Zeitung online, 31.08.2018

Gluten und Diabetesrisiko

Falsche Anschuldigung

Ein Kommentar von Beate Schumacher

beate.schumacher

Schreiben Sie dem Autor beate.schumacher@springer.com

Das in Weizen und anderen Getreidearten enthaltene "Klebereiweiß" Gluten hat eine erstaunliche Karriere absolviert: Während sich vor zehn, zwanzig Jahren mancher noch mit der richtigen Aussprache schwertat, sind inzwischen viele überzeugt, Gluten als Zivilisationsgift überführt zu haben.

Wenn Buchtitel lauten "Warum Weizen dick und krank macht", ahnt man schon, woran es liegen soll, dass immer mehr Menschen an Übergewicht und Diabetes leiden.

Nur: Für weitgehend gesunde Menschen gibt es bislang keine Belege, dass Gluten schädliche kardiometabolische Effekte haben könnte. Laut einer neuen Studie, für die fast 200.000 Menschen befragt und untersucht wurden, könnte sogar das Gegenteil zutreffen.

Die 20 Prozent Teilnehmer mit dem geringsten Glutenkonsum hatten ein um 13 Prozent höheres Risiko für einen Typ-2-Diabetes als die 20 Prozent mit der höchsten Zufuhr.

Die Studie ist kein Beleg, dass Gluten vor Diabetes schützen kann. Das höhere Diabetesrisiko bei glutenarmer Ernährung könnte etwa durch eine geringere Zufuhr von Vitaminen und Ballaststoffen aus Getreide verursacht sein.

Die Studie entkräftet jedoch den Verdacht, Gluten sei kardiometabolisch Gift. Für Menschen ohne Gluten-assoziierte Erkrankung gibt es derzeit keine Argumente zugunsten einer glutenfreien Ernährung, sondern eher noch Argumente dagegen.

Lesen Sie dazu auch:
Ernährung: Erhöhtes Diabetesrisiko bei Gluten-Verzicht

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Herzschutz-Effekt durch spezielle Fischöl-Kapseln

Die Supplementierung von Omega-3-Fettsäuren hat in der REDUCE IT-Studie eine erstaunliche Wirkung entfaltet. Zu einem anderen Ergebnis kommt die Studie VITAL. mehr »

In Westeuropa sterben Deutsche am frühesten

Deutschland hat unter 22 westeuropäischen Ländern die niedrigste Lebenserwartung. Wie aus einem aktuellen WHO-Bericht hervorgeht, gibt es im weltweiten Vergleich noch immer drastische Unterschiede – von bis zu 40 Jahren. mehr »

Gemeinsam gegen Antibiotika-Resistenzen

Die Weltantibiotikawoche ist angelaufen: Während die WHO für mehr Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Medizin wirbt, versucht ein Projekt von Ärzten und Kassen die Bürger für Resistenzen zu sensibilisieren. mehr »