Ärzte Zeitung online, 16.09.2019

Ernährung

Ballaststoff-Supplementierung wirkt nicht präventiv

BERLIN. Bei Prädiabetes beugt die tägliche Einnahme von unlöslichen Ballaststoffen Typ-2-Diabetes nicht vor. Das hat die Studie „Optimal Fibre Trial for Diabetes Prevention“ (OptiFiT) ergeben, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie zur 4. Deutschen Hormonwoche, die noch bis zum 21. September dauert.

In der Studie hatten 180 Probanden mit auffälligem oralen Glukose-Toleranztest (oGTT) zwei Jahre lang zweimal täglich einen Eiweißshake mit oder ohne unlösliche Ballaststoffe getrunken (Diabetologie und Stoffwechsel 2019; 14 (S 01): S32). Weder die Diabetes-Neuerkrankungsrate noch die Insulinsensitivität wurden durch die Intervention verbessert. Allerdings: Durch Gewichtsreduktion erlangten in den zwei Jahren 53 von 180 Studienteilnehmern wieder eine normale Glukosetoleranz. (eis)

Wir haben den Beitrag aktualisiert am 18.09.2019 um 13:16 Uhr und nach Hinweis eines Lesers die Überschrift geändert.

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[16.09.2019, 13:14:12]
Dr. Stefan Graf 
Irreführende Überschrift
Der Titel des Beitrages ist m. E. unzutreffend, denn der Einfluss "ballaststoffreicher Kost" wurde im Rahmen der OptiFiT-Studie gar nicht untersucht, sondern einzig die Wirkung einer SUPPLEMENTIERUNG mit einem Ballaststoffpräparat! Studienleiter Dr. Stefan Kabisch hat selbst bei der Vorstellung der Studie in Berlin bestätigt, dass die Probanden im Rahmen der begleitenden Ernährungsberatung (PRÄDIAS)nicht zu einer Ernährung mit höherem NATÜRLICHEN Anteil unlöslicher Ballaststoffe (Vollkorn, Hülsenfrüchte, Pilze) zu bewegen waren. Somit lässt diese Studie nur den Schluss zu, dass die alleinige Supplementierung mit Ballaststoffpräparaten keine signifikante Diabetesprävention bewirkt. Für zahlreiche Mikronährstoffe (z.B. diverse Vitamine, Mineralien, Omega-3-FS) wurde bereits der Nachweis geführt, dass entsprechende Supplemente nicht die Wirkung der Mikronährstoffe im natürlichen Umfeld (Obst, Gemüse) erreichen. Das könnte bei den unlöslichen Ballaststoffen (Supplement versus Vollkorn etc.)genauso sein. Das hat auch Dr. Stefan Kabisch bestätigt und die Notwendigkeit entsprechender Folgestudien betont. Zudem muss natürlich auch die synergistische Bedeutung weiterer Lebenstilfaktoren (Bewegung, Rauchen, Alkohl)beachtet werden. Jedenfalls gibt die Überschrift "Ballaststoffreiche Kost wirkt nicht präventiv" nicht den Inhalt der OptiFiT-STudie wieder und könnte betroffene Prädiabetiker zu der Fehldeutung motivieren, es brächte nichts, sich bewusster zu ernähren! Mein Alternativvorschlag: "Ballaststoff-Supplementierung wirkt nicht präventiv."
Mit freundlichen Grüßen
Dr.Stefan Graf  zum Beitrag »

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