Neues Newsletter-Thema buchbar!

Frauengesundheit

Erweitern Sie Ihren individuellen Themenmix im kostenlosen Newsletter der Ärzte Zeitung mit dem neuen Themenfeld Frauengesundheit. Einfach in der Newsletterverwaltung auf springermedizin.de hinzubuchen oder dort - nach einfacher Registrierung - den Newsletter erstmals bestellen.

Ärzte Zeitung online, 26.09.2018

Ernährung

Schützen fettarme Milchprodukte vor früher Menopause?

Frauen, die viel fettarmen Käse, Joghurt und magere Milch verzehren, kommen seltener in eine verfrühte Menopause als Verächter der Milchprodukte. Grund könnte schlicht sein, dass solche Frauen dicker sind.

Von Thomas Müller

186a0801_8129367-A.jpg

Milchprodukte haben einen relativ hohen Gehalt an Vitamin D und hormonell wirksamen Inhaltsstoffen.

© lightpoet / stock.adobe.com

AMHERST. Es gibt wohl kaum ein Leiden oder einen physiologischen Vorgang, bei dem nicht der Einfluss der Ernährung untersucht wurde, was trotzdem nicht dazu geführt hat, dass wir inzwischen viel über die Bedeutung einzelner Nahrungskomponenten für die Gesundheit wissen – vielleicht einmal abgesehen davon, dass zu viel und zu wenig Essen krank macht. Studien zum Einfluss der Ernährung haben zwar einen geringen wissenschaftlichen Wert – dafür sind sie methodisch in der Regel einfach zu schlecht –, aber immerhin einen gewissen Unterhaltungswert. Schließlich spekulieren viele Menschen leidenschaftlich gerne darüber, welche Diät die gesündeste ist.

Für den nächsten Party-Small-Talk eignen sich wohl auch die Resultate einer aktuellen Auswertung der Nurses‘ Health Study II (NHS). Sie legen nahe, dass eine Menopause vor dem 45. Lebensjahr zumeist bei Frauen auftritt, die keine Milchprodukte mögen. Ein signifikanter Zusammenhang ergab sich aber nur für fettarme Milchprodukte (Am J Epidemiol 2018, online 18. September).

Viel Milch erhöht Östrogenwerte

Auf die Idee, dass Milchprodukte den Zeitpunkt der Menopause beeinflussen können, kamen Epidemiologen um Dr. Alexandra Purdue-Smithe von der Universität in Amherst aufgrund des relativ hohen Gehalts an Vitamin D und hormonell wirksamen Inhaltsstoffen. Viel Milch erhöht etwa die Östrogenwerte im Blut. Frühere Auswertungen der NHS-Studien hatten zudem einen Zusammenhang zwischen niedriger Vitamin-D-Aufnahme und hohem Risiko für eine vorzeitige Menopause ergeben, allerdings gab es keine vergleichbare Assoziation mit 25-Hydroxyvitamin-D-Spiegeln im Plasma.

Vitamin D könnte folglich nur ein Marker sein. Da das Vitamin gehäuft in Milchprodukten vorkommt, gingen die Forscher um Purdue-Smithe davon aus, dass andere Bestandteile der Milch entscheidend sein könnten.

Selbstauskünfte zur Ernährung

Die Studienautoren schauten sich daher Angaben von rund 108.000 Teilnehmerinnen der Studie genauer an. Alle waren zu Beginn im Jahr 1989 zwischen 25 und 42 Jahre alt und noch nicht in der Menopause. Die Frauen wurden bis ins Jahr 2011 nachuntersucht und gaben regelmäßig über semi-quantitative Fragebögen Auskunft über ihre Ernährung.

In dieser Zeit gelangten 2049 der Teilnehmerinnen verfrüht, also noch vor dem 45. Lebensjahr, in die Menopause. Die Joghurt-, Milch- und Käsefans waren im Schnitt etwas jünger, körperlich aktiver und dicker als Milchprodukteverächter, zudem rauchten sie seltener.

Marker für gesunden Lebensstil?

Berücksichtigten die Epidemiologen nur das Alter, so ergab sich für Frauen, die vier oder mehr Portionen Milchprodukte am Tag konsumierten, ein um 26 Prozent reduziertes Risiko für eine verfrühte Menopause. Wurden weitere Faktoren wie Geschlecht, die Gesamtkalorienaufnahme, BMI zum Studienbeginn, körperliche Aktivität oder Tabakkonsum berücksichtigt, fiel die Risikoreduktion etwas geringer aus (–23 Prozent).

Einen signifikanten Zusammenhang gab es jedoch nur mit einem hohen Konsum fettarmer, nicht aber mit einem hohen Konsum stark fetthaltiger Milchprodukte. Dies könnte auch daran liegen, dass Letztere fast nur ein Drittel so oft in hohen Mengen konsumiert wurde. Zudem könnte der Verzehr fettarmer Milchprodukte wiederum nur ein Marker für einen besonderen, gesundheitsbewussten Ernährungsstil sein.

Letztlich wäre aber auch eine ganz andere, simple Erklärung möglich: Dicke Frauen essen, um nicht weiter zuzunehmen, eher fettarme Produkte. Dicke Frauen gelangen auch später in die Menopause, weil ihr Fettgewebe vermehrt Östrogene produziert.

In diesem Fall hätte das geringere Risiko für eine verfrühte Menopause eher etwas mit dem Gewicht und weniger mit dem Konsum fettarmer Milchprodukte zu tun. In ihren Berechnungen hatten die Epidemiologen zwar den BMI berücksichtigt, aber nur den Wert zum Studienbeginn.

Studienergebnisse in Kürze

  • Bei Frauen, die viel fettarme Milchprodukte konsumieren, endet die fruchtbare Phase seltener vor dem 45. Lebensjahr als bei Frauen ohne die Kost.
  • Bedeutung: Unklar. Vielleicht liegt die Erklärung darin, dass dicke Frauen vermehrt Fettarmes konsumieren. Übergewicht verzögert die Menopause.
  • Einschränkung: Kausaler Zusammenhang bleibt unklar. Angaben beruhen auf subjektiven Angaben.
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Motorradfahren im Pflegeheim

In rund 100 Pflegeheimen werden Spielkonsolen für alte Menschen getestet. Im virtuellen Raum sollen diese ihre kognitiven und motorischen Fähigkeiten trainieren – und Spaß haben. mehr »

Das große Werben

Ohne ausländische Pflegekräfte geht in deutschen Kliniken fast nichts mehr. Ein Blick hinter die Kulissen zweier großer Kliniken in München und Augsburg. mehr »

Wie die künftige Notfallversorgung das System umkrempelt

Mit der Einführung von Integrierten Notfallzentren soll auch der Sicherstellungsauftrag der KVen für die ambulante Versorgung zu den sprechstundenfreien Zeiten aufgehoben werden. mehr »