Ärzte Zeitung, 16.02.2004
 

Glutensensible haben manchmal Hautblutungen

Dermatitis herpetiformis Duhring bei Glutenunverträglichkeit / Betroffene haben auch Zottenatrophie im Dünndarm

WÜRZBURG (hsr). Blutflecken an den Fingern, ähnlich denen nach Quetschungen, die aber völlig schmerzlos sind, können äußere Anzeichen für eine Dermatitis herpetiformis Duhring (DH) sein. Diese mit einer glutensensitiven Enteropathie assoziierte Autoimmunkrankheit wird unter anderem durch glutenfreie Diät gelindert.

Kleine makulöse Einblutung an der Seitenkante des Daumens. Solche Hämorrhagien sind typisch für eine Dermatitis herpetiformis Duhring.
In der Auflichtmikroskopie sind punktförmige, scharf begrenzte Einblutungen zu erkennen. Fotos (2): Rose

Die Dermatitis herpetiformis gilt als kutane Manifestation der - wie bei Zöliakie - mit Darmzottenatrophie verbundenen glutensensitiven Enteropathie. Ihre Häufigkeit wird zum Beispiel in Dermatologie-Lehrbüchern mit 1 zu 800 dermatologischen Patienten angegeben.

Die Patienten bilden im Serum IgA-Autoantikörper gegen Gewebetransglutaminase, wie Dr. Christian Rose von der Universitäts-Hautklinik in Würzburg berichtet. DH-Erkrankte haben im Gegensatz zu Sprue-Patienten aber meist keine oder nur geringe gastrointestinale Symptome, und das erschwert die Diagnostik.

Als mögliche klinische Zeichen für diese Autoimmunkrankheit können außer Hautblutungen an Handinnenflächen sowie gelegentlich an Fußsohlen und Mundschleimhaut vor allem akrale Hämorrhagien auftreten. Das belegt Rose anhand der Krankengeschichte einer 45jährigen Patientin (JDDG 9, 2003, 743).

Die Frau hatte wenige Wochen vor ihrer Aufnahme in die Klinik erstmals Blutflecken an den Fingerseitenkanten beider Hände bemerkt. Die Auflichtmikroskopie ergab strukturlose rotschwarze Pigmentierungen. Abgesehen von seit Jahren rezidivierenden, stark juckenden urtikariellen Plaques und Kratzläsionen an Nacken, Rücken und Gesäß hatte die Patientin keine Beschwerden.

Die Gewebeprobe einer dieser plattenartigen Hautveränderungen ergab dichtes granulozytäres Entzündungsinfiltrat mit für DH charakteristischem Papillenabszeß. In der Immunfluoreszenz wurden außerdem zirkulierende IgA-Autoantikörper gegen Endomysium gefunden. Der Nachweis einer ausgeprägten lymphozytären Duodenitis mit Zottenatrophie und Kryptenhyperplasie im Dünndarmbiopsat sicherte die glutensensitive Enteropathie.

Daraufhin erhielt die Patientin oral das Sulfonderivat Dapson (in Deutschland Dapson-Fatol) in einer täglichen Dosierung von 1,5 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Damit ließ der Juckreiz schnell nach. Auf die Kratztraumen wurde 0,3prozentige Pyoctanin (Gentianaviolett)-Lösung gepinselt.

Innerhalb eines Monats heilten die Hautläsionen, und die Hämorrhagien an den Händen verschwanden. Bei strikt eingehaltener glutenfreier Diät ließ sich die Dapson-Dosis nach und nach auf 0,5 mg/kg jeden zweiten Tag reduzieren. Die Serumspiegel der Autoantikörper gegen Gewebstransglutaminase waren nach einem halben Jahr wieder im Normbereich.

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