Ärzte Zeitung, 30.11.2004

Efalizumab hilft bei hartnäckiger Psoriasis

Humanisierter monoklonaler Antikörper bewährt sich auch bei Patienten, die auf andere Therapien schlecht ansprechen

FLORENZ (hsr). Patienten mit mäßiger bis schwerer Plaque-Psoriasis, deren Schuppenflechte durch herkömmliche systemische Therapien kaum zu kontrollieren ist oder diese unverträglich oder kontraindiziert sind, profitieren von Efalizumab: Die Substanz hat sich als dauerhaft wirksam und sicher erwiesen.

Berechtigte neue Hoffnung auf langfristige Besserung ihrer Erkrankung durch den kürzlich eingeführten monoklonalen Antikörper macht Professor Carlo Pincelli Psoriasis-Kranken, die auf keine Therapie mehr ausreichend ansprechen. Der italienische Dermatologe von der Universität Modena hat bei einer Pressekonferenz von Serono zum Europäischen Dermatologen-Kongreß in Florenz an die CLEAR-Studie erinnert. CLEAR steht für Clinical Experience Acquired with Raptiva®.

In der Placebo-kontrollierten Studie wurden 267 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis, die zuvor noch keine systemische Therapie erhalten hatten, sowie 526 Psoriasis-Patienten, bei denen etwa PUVA, Ciclosporin, Methotrexat und/oder orale Retinoide wenig erfolgreich waren, kontraindiziert waren oder nicht vertragen wurden, drei Monate lang mit Efalizumab behandelt. Der humanisierte Antikörper, der in die gestörte T-Zell-Funktion eingreift, wird einmal wöchentlich in einer Dosis von 1 mg/kg Körpergewicht subkutan injiziert.

Ein Zielkriterium war der PASI 75, also eine mindestens 75prozentige Reduktion von Ausdehnung und Schweregrad der Effloreszenzen. Einen PASI 50 mit wenigstens 50prozentiger Abnahme der Symptome erzielten mit Efalizumab knapp 54 Prozent, mit Placebo 14 Prozent der Patienten. Einen PASI 75 erreichten mit Efalizumab 31 Prozent, mit Placebo 4 Prozent.

Bei der Differenzierung in nicht vorbehandelte und bereits behandelte Patienten bestätigten sich die Vorteile der Verum-Therapie in beiden Untergruppen. Zum Beispiel erzielten von den zuvor noch nicht systemisch behandelten Patienten 57 Prozent mit Efalizumab einen PASI 50 (Placebo: 20 Prozent) und 35 Prozent einen PASI 75 (Placebo: 7,5 Prozent).

Langzeitdaten nach 30 Monaten Erhaltungstherapie mit einer Verbesserung im PASI 75 bei 58 Prozent und im PASI 90 bei 34 Prozent der Psoriasis-Patienten belegten außerdem die langfristige Wirksamkeit von Efalizumab, so Pincelli.

STICHWORT

PASI-Score

PASI steht für Psoriasis Area and Severity Index und beschreibt die Ausdehnung und den Schweregrad (Rötung, Dicke der Plaques und Schuppung) der Psoriasis-Läsionen. Je schwerer die Krankheit ausgeprägt ist, desto mehr Punkte gibt es. Maximal sind es 72 Punkte.

Nach dem PASI-Score werden Patienten mit leichter, mittelschwerer und schwerer Erkrankung unterschieden. Eine mittelschwere Erkrankung liegt dann vor, wenn zwei bis neun Prozent der Körperoberfläche Psoriasis-Läsionen haben (10 bis 50 Punkte im PASI-Score), eine schwere Erkrankung, wenn über zehn Prozent der Körperoberfläche betroffen ist (50 bis 72 Punkte im PASI-Score).

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