Ärzte Zeitung, 01.12.2005

Ciclosporin - eine effektive Option bei schwerer Psoriasis

Intervalltherapie hat sich bewährt / Schon kleine Hautläsionen können stark belasten

REGENSBURG (wst). Patienten mit schwerer Psoriasis, denen mit konventionellen systemischen Therapien nicht ausreichend geholfen werden kann, bietet das Immunsuppressivum Ciclosporin eine effektive Perspektive. In der hier eher niedrigen Dosierung ist es meist auch gut verträglich. In der Wirksamkeit kann sich das in der Indikation Psoriasis seit über 20 Jahren bewährte Ciclosporin durchaus mit den Biologicals messen.

Hände mit Psoriasis-Effloreszenzen. Bei solchen Patienten kann niedrig dosiertes Ciclosporin die Beschwerden lindern. Foto: Dr. Klaus Fritz, Landau

Bei Patienten mit schwerer Psoriasis und besonders solchen mit Plaque-Psoriasis sei Ciclosporin nach wie vor eine der effektivsten systemischen Optionen, hat Dr. Christian Hafner vom Universitätsklinikum Regensburg berichtet. Ciclosporin bringe in dieser Indikation schnellere und bessere Erfolge als Fumarsäureester, Methotrexat und Azitretin, so Hafner auf einem von Novartis unterstützten Seminar in Regensburg.

So seien mit Ciclosporin (vom Unternehmen etwa als Immunosporin® angeboten) in der Erstbehandlung bei schwerer Psoriasis Ansprechraten von über 80 Prozent zu erwarten, sagte Hafner. Ein Ansprechen ist dabei definiert als mindestens 75prozentige Besserung des Hautbefundes, beurteilt im Punktwert PASI (Psoriasis Area and Severity Index). PASI berücksichtigt Ausdehnung und Schwere der Hautläsionen.

Wird bei Psoriasis-Patienten eine Ciclosporin-Therapie gestartet, sollte primär eine Intervalltherapie versucht werden. Die Patienten werden zunächst bis zu einem akzeptablen Therapieerfolg - längstens drei Monate - behandelt und bekommen dann eine topische Stabilisierungstherapie.

Verschlechtert sich der Hautbefund wieder, wird ein neues Therapieintervall mit Ciclosporin gestartet. Erfahrungsgemäß kommen die meisten Patienten mit weniger als vier solchen Behandlungsintervallen innerhalb von zwei Jahren aus. Bei Patienten mit hoch aktiver und trotz Intervalltherapie häufig rezidivierender Psoriasis sei eine kontinuierliche Langzeittherapie über längstens zwei Jahre zu erwägen, sagte Hafner.

Es gilt, sich an eine niedrige Ciclosporin-Dosis heranzutasten

Sowohl in der Intervall- als auch in der Langzeittherapie gilt es, sich immer an die individuell niedrigste effektive Ciclosporin-Dosis heranzutasten, wobei eine Obergrenze von 5 mg/kg KG täglich nicht überschritten werden sollte.

Nach Ergebnissen der PISCES Studie mit etwa 400 Patienten sei unterhalb dieser Dosis innerhalb eines Jahres bei zehn bis 20 Prozent der Behandelten mit Anstiegen des Serumkreatinin und des Blutdruckes zu rechnen, so Hafner. Diese Parameter sollten deshalb in den ersten drei Therapiemonaten mit Ciclosporin alle zwei Wochen und danach alle ein bis zwei Monate gewissenhaft kontrolliert werden.

Wann ist bei sonst nicht zufriedenstellend kontrollierbarer Psoriasis eine Ciclosporin-Therapie indiziert? Nach Angaben von Hafner sollte dafür eines der drei folgenden "Zehner-Kriterien" erfüllt sein: Über zehn Prozent der Körperoberfläche sind betroffen, der PASI beträgt mehr als 10 Punkte oder der Dermatologische Lebensqualitäts-Index DLQI überschreitet 10 Punkte.

So gesehen können auch eher kleinflächige, aber ausgeprägte Hauterscheinungen eine schwere Psoriasis ausmachen, wenn sie sich etwa auf eine exponierte Körperstelle, etwa auch Fingernägel, erstrecken und damit die Patienten subjektiv stark belasten, sagte Hafner auf der Veranstaltung.

STICHWORT Aus dem Springer Lexikon Medizin

Psoriasis vulgaris

Die Psoriasis vulgaris ist die häufigste Form der Schuppenflechte. Charakteristisch sind scharf begrenzte, erythematöse Plaques und silbrige Schuppen. Die Prävalenz liegt bei etwa fünf Prozent bei Menschen über 50 Jahren. Beginnt die Krankheit früh, verläuft sie meist schwer, und die Patienten sprechen schlechter auf Therapien an als bei spätem Krankheitsbeginn. Besteht eine starke Neigung zu Ausbildung von Psoriasis-Herden, können exogene Faktoren solche Herde auslösen (Köbner-Phänomen). Die Läsionen treten meist an Extremitäten-Streckseiten, Ellenbogen, Knie, Lendenbereich oder der behaarten Kopfhaut auf. Die Herde vergrößern sich durch peripheres Wachstum.

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