Ärzte Zeitung, 22.01.2007

Drei praktische Tipps für Patienten mit Ekzemen

Konstante Pflege, Anwendung eines Antiseptikums und Tragen von Baumwollkleidung lindern Neurodermitis-Symptome

WIESBADEN (hbr). Bei Patienten mit Neurodermitis ist die Barriere-Funktion der Haut gestört. Die Behandlung zielt darauf ab, wieder einen intakten Schutzmantel herzustellen. Dies lässt sich durch gute Pflege, durch Verwenden eines Bakterizids und Vermeiden von Irritationen erreichen.

Bei Patienten mit Neurodermitis ist die Barrierefunktion der Haut gestört. Mit geigneten Maßnahmen lässt sich wieder ein Schutzmantel aufbauen. Foto: Borelli

Dabei ist die Hautpflege bei Patienten mit atopischem Ekzem am wichtigsten. Darauf weisen erste Ergebnisse einer Anwendungsbeobachtung hin. Über 2400 Neurodermitis-Patienten nahmen an der Untersuchung teil. Als Prüfpräparat benutzten sie Physiogel® A.I.-Creme, eine entzündungshemmende Pflegecreme. Die Ergebnisse waren: Juckreiz, Hautrötung und der Bedarf an kortisonhaltigen Präparaten gingen zurück. Das hat Professor Dietrich Abeck aus München bei einer Veranstaltung der Wilhelm Fresenius Klinik in Wiesbaden berichtet.

Die Therapie bei Neurodermitis sei heute verhältnismäßig einfach, so Abeck bei der vom Unternehmen Stiefel geförderten Veranstaltung. Als Grundlage diene eine kontinuierliche Pflege, die bei Bedarf durch entzündungshemmende Präparate ergänzt wird. Zudem sei bei Neurodermitis häufig Staphylococcus aureus nachweisbar. Der Keim löst Entzündungen aus und hält sie aufrecht.

Hier wirke etwa eine wässrige Lösung des bakteriziden Farbstoffs Gentiana-Violett (bis 0,25 Prozent). Die Patienten sollten sie ein- bis zweimal täglich anwenden. Dies beseitige den Erreger und mindere die Hautreizung. Mit der Abnahme der bakteriellen Besiedlung heile die Neurodermitis zwar nicht ab, die Symptome bessern sich aber. Abeck empfiehlt, solche antiseptischen Therapien spätestens nach sechs Wochen wieder abzusetzen.

Wichtig sei außerdem, dass die Patienten auf verstärkende Faktoren achten. Zum Beispiel reagiere die Haut bei 42 Prozent der Patienten auf das Schwitzen bei körperlicher Anstrengung empfindlich. Fast genauso viele vertragen keine Wollfasern. Textilien aus Nylon und Perlon seien ebenfalls ungünstig. Wesentlich besser eignen sich Kleidungsstücke aus Baumwolle, Seide, Leinen oder Mikrofasern, sagte Abeck.

DIE STUDIE IN KÜRZE

Frage: Wie gut lassen sich durch die kontinuierliche Pflege mit einem geeigneten Mittel die Symptome bei Patienten mit atopischem Ekzem mildern?

Methode: In der Anwendungsbeobachtung benutzten 2400 Neurodermitis-Patienten Physiogel® A.I.-Creme im Mittel 38 Tage lang, und zwar mindestens zweimal täglich.

Ergebnisse: Der Juckreiz ging um 52 Prozent zurück. Schon in den ersten sechs Tagen verringerte sich die Intensität von 4,9 auf 2,7 Punkte. Gemessen wurde dieses Resultat mit einer zehnteiligen visuellen Analogskala. Die Hautrötung nahm bei 70 Prozent der Patienten ab. Auch der Bedarf an kortisonhaltigen Medikamenten sank.

Wirkmechanismus: Die Creme enthält Palmitoyl-Ethanolamin (PEA). Diese Substanz wirkt gegen Entzündungen und Juckreiz. Auch die menschlichen Zellen enthalten PEA. PEA bindet an Cannabinoid-Rezeptoren, die sich in der Haut und dort auch auf unmyelinisierten C-Nervenfasern befinden. In diesen Neuronen entsteht der Juckreiz, und sie leiten auch die Signale weiter. Wenn Palmitoyl-Ethanolamin an die Rezeptoren ankoppelt, werden die Signalwege unterbrochen. (hbr)

STICHWORT

Neurodermitis

Bis zu fünf Millionen Menschen in Deutschland haben eine Neurodermitis. Der Inzidenzgipfel liegt im ersten und zweiten Lebensjahr. Bis zum dritten Jahr werden dann rund 40 Prozent der Kinder wieder symptomfrei. Insgesamt sind acht bis 17 Prozent der Kinder erkrankt, vor allem in Städten: Hier liegt die Zahl bei 30 Prozent. (hbr)

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