Ärzte Zeitung, 11.02.2008

Psoriasis - mehr als eine bloße Hauterkrankung

Schuppenflechte wirkt ungünstig auf Endothel, Zuckerstoffwechsel und Lipide / Wirkt antientzündliche Behandlung gegen Begleiterkrankungen?

FRANKFURT AM MAIN (ars). Nach neuen Erkenntnissen ist die Psoriasis nicht allein eine Hautkrankheit, sondern auch eine systemische Erkrankung, die sich vor allem auf das Gefäßendothel sowie den Fett- und Zuckerstoffwechsel auswirkt. Eine antientzündliche Behandlung bessert nicht nur die Dermatitis, sondern möglicherweise auch die Begleitstörungen.

Die frühere Auffassung der Psoriasis als "Grippe der Haut" sei völlig überholt, eher könne man sie als "Rheuma der Haut" bezeichnen, sagte Professor Kristian Reich bei einer Veranstaltung des Unternehmens Abbott. Bei den Patienten ist im Vergleich zu einer Kontrollgruppe ohne Psoriasis die Wahrscheinlichkeit eines Myokardinfarkts um das Dreifache erhöht, das Risiko eines metabolischen Syndroms um das Sechsfache. Fast die Hälfte der Patienten mit mittelschweren bis schweren Hautmanifestationen hat einen BMI über 30. Männer mit schwerer Psoriasis sterben im Durchschnitt um 3,5 Jahre früher als Männer ohne Psoriasis, Frauen sogar um 4,4 Jahre früher als Frauen ohne diese Dermatitis.

Ob sich durch eine anti-entzündliche Behandlung der Psoriasis auch die Begleiterkrankungen vermindern oder das Sterberisiko sinkt, ist noch nicht endgültig geklärt, wie der Experte aus Hamburg erläuterte. Anhaltspunkte dafür, dass dem so sein könnte, liefern aber Studien zur Behandlung bei Arthritis. Demnach sinkt die erhöhte kardiovaskuläre Sterberate der Patienten durch eine langfristige Therapie mit Methotrexat und TNFα-Blockern signifikant.

Mit Adalimumab (Humira®) gibt es seit kurzem das fünfte Biological für die Indikation Psoriasis - nach Efalizumab, Etanercept, Infliximab und dem bisher nur in den USA zugelassenen Amevive. Der Antikörper, der vollständig aus menschlichen Proteinen besteht, bindet an TNFα. Dieser Botenstoff vermittelt Entzündungsreaktionen. Wird er neutralisiert, verschwinden auch die Lymphozyten-Infiltrate in der Haut, sie wird wieder glatt.

Adalimumab ist zugelassen für Patienten mit mäßiger bis schwerer Psoriasis, wenn Therapien mit herkömmlichen systemischen Wirkstoffen oder mit UV-Licht nicht ansprechen, nicht angewandt werden dürfen oder nicht vertragen werden. Die Wirkung tritt meist rasch ein: Schon nach ein bis zwei Injektionen bessert sich Studien zufolge das Hautbild entscheidend. Auch der häufig assoziierte Juckreiz lässt nach. Liegt zugleich eine Psoriasis-Arthritis vor, lindert der Wirkstoff die Schmerzen und hält die Zerstörung der Gelenke auf. Da die einzelnen Patienten unterschiedlich schnell auf das Medikament ansprechen, schlagen Experten vor, die Therapie mindestens zehn bis zwölf Wochen fortzusetzen, bevor die Wirksamkeit bewertet wird.

Wie lange die Behandlung dauern kann, ist noch fraglich. Bisher gibt es lediglich Ein-Jahres-Daten, wie Reich zur "Ärzte Zeitung" sagte. Es bestünden aber bisher keine Einwände, sie über längere Zeit fortzusetzen, solange sie wirkt und vertragen wird. Die Substanz ist als vorgefüllter Humira® Pen oder als Fertigspritze verfügbar. Die Patienten injizieren sich das Mittel alle 14 Tage subkutan unter die Haut. Da eine Biological-Therapie jährlich 15 000 bis 25 000 Euro kostet, ist es nach den Worten von Reich wichtig, auf die Compliance zu achten. Adalimumab ist bereits seit mehreren Jahren zur Behandlung bei Rheumatoider Arthritis, Psoriasis-Arthritis, Morbus Bechterew und der Darmerkrankung Morbus Crohn zugelassen.

Weitere Informationen finden Sie unter www.psoriasis-netz.de sowie unter www.psoriasis-bund.de

STICHWORT

Psoriasis in Zahlen

Die Psoriasis-Prävalenz in Deutschland liegt bei 2,1 Prozent. Das bedeutet: 1,7 Millionen Menschen sind hierzulande daran erkrankt.

75 Prozent der Psoriasis-Patienten sind jünger als 60 Jahre, wobei das Verhältnis von Frauen zu Männern ungefähr 1:1 beträgt. Ein Drittel der Patienten mit Psoriasis hat massive Beschwerden, zwei Drittel haben leichtere Formen der Erkrankung. Jeder Zweite hat eine Nagelpsoriasis, jeder Fünfte eine Psoriasis-Arthritis. (ars)

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