Ärzte Zeitung online, 16.05.2008

Neuartiges Biological: mit vier Injektionen im Jahr effektive Psoriasis-Therapie

EVANSTON (ars). Mit nur vier Injektionen im Jahr ermöglicht der neuartige Antikörper Ustekinumab eine wirksame und sichere Behandlung bei mäßiger bis schwerer chronischer Plaque-Psorias. Zwei Phase-III-Studien zufolge hält der Effekt mindestens 52 Wochen an. Mit einer Intensivierung der Therapie lässt sich der Erfolg bei einigen Patienten noch steigern.

 Neuartiges Biological: mit vier Injektionen im Jahr effektive Psoriasis-Therapie

Ausgedehnte Psoriasis am Oberkörper.

Foto: ÄZ

Die PHOENIX-1-Studie mit 766 Patienten hat ergeben: Bis Woche 12 gingen mit 45 mg Ustekinumab die Hautläsionen bei 171 Patienten (67 Prozent) um mindestens 75 Prozent zurück (PASI-75-Ansprechen). Mit 90 mg Wirkstoff waren es 170 Patienten (66 Prozent) - im Vergleich zu 3 Prozent mit Placebo. Unerwünschte Wirkungen traten in allen Gruppen etwa gleich häufig auf. Das berichtet eine US-Forschergruppe um Dr. Kenneth Gordon aus Evanston (Lancet 371, 2008, 1665).

An der PHOENIX-2-Studie nahmen 1230 Patienten teil. Bis Woche 28 gingen die kanadischen Wissenschaftler um Dr. Kim Papp vor wie ihre US-Kollegen (Lancet 371, 2008, 1675). Ab dann jedoch teilten sie jene Patienten, bei denen die Medikation nur teilweise gewirkt hatte (PASI-Ansprechen zwischen 50 und 75 Prozent), in zwei Gruppen auf: Die eine erhielt weiterhin den Wirkstoff alle zwölf Wochen, die andere alle acht Wochen. Mit 90 mg und achtwöchigen Abständen hatten nach einem Jahr 69 Prozent dieser Patienten doch noch ein PASI-75-Ansprechen erreicht, mit 90 mg und 12-wöchigen Abständen aber nur 33 Prozent. In der 45-mg-Gruppe brachte die Intensivierung der Therapie keine weitere Verbesserung. Die Zulassung für die USA und Europa ist beantragt.

Die PHOENIX-1-Studie in Kürze

Frage: Wieviel Prozent der Patienten erreichen mit Ustekinumab nach zwölf Wochen ein PASI-75-Ansprechen?

Methode: An der Studie nahmen 766 Patienten mit mäßiger bis schwerer Psoriasis teil. Je eine Gruppe erhielt entweder 45 mg oder 90 mg Wirkstoff, und zwar zu Beginn, nach vier Wochen, danach alle 12 Wochen. Eine weitere Gruppe bekam zu Beginn und nach vier Wochen Placebo, ab Woche 12 ebenfalls Ustekinumab. In Woche 40 wurden jene Patienten, die den Wirkstoff von Anfang an erhalten und ein PASI-75-Ansprechen erreicht hatten, erneut aufgeteilt: Eine Gruppe erhielt weiter Ustekinumab, die andere Placebo.

Ergebnis: In Woche 12 hatten mit 45 mg Ustekinumab 171 Patienten (67 Prozent) und mit 90 mg 170 Patienten (66 Prozent) das PASI-75-Ansprechen erreicht. In Woche 40 wurde das PASI-75-Ansprechen bei 150 Patienten mit 45 mg gemessen und bei 172 Patienten mit 90 mg. Nach einem Jahr war das PASI-75-Ansprechen bei fortgesetzter Therapie bei mehr Patienten erhalten geblieben als nach Absetzen in Woche 40.

Stichwort: Wirkprinzip

Der humane monoklonale Antikörper Ustekinumab ist auf das neue Pathogenese-Konzept der Psoriasis abgestimmt: Demnach liegt ihr eine fehlgeleitete Abwehr von Bakterien zugrunde. Vermittelt werden die Störprozesse durch das angeborene Immunsystem, das die Interleukine 12 und 23 freisetzt. Die wiederum regen Keratinozyten zur Bildung antimikrobieller Peptide ("natürliche Antibiotika") an und bewirken die Hyperplasie des Epithels. Ustekinumab ist gegen die p40-Untereinheit gerichtet, aus der sowohl IL-12 als auch IL-23 aufgebaut sind. Die so blockierten Interleukine können nicht mehr mit ihrem Rezeptor auf der Zelloberfläche in Wechselwirkung treten, so dass ihre Bioaktivität neutralisiert ist.

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