Ärzte Zeitung online, 24.07.2008

Gendefekt erhöht Heuschnupfen- und Asthmarisiko

München (dpa). Ein bestimmter Gendefekt in den Hautzellen kann das Risiko für Neurodermitis, Heuschnupfen und Asthma massiv erhöhen. Das haben Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München und der Technischen Universität München (TUM) in einer groß angelegten Studie nachgewiesen.

Ein genetisch bedingter Mangel an Filaggrin, einem Schlüsseleiweiß der Hautbarriere, sei demanch wichtig bei der Entstehung von Allergien. Nach Angaben des Helmholtz-Zentrums gelang der Nachweis, dass etwa acht Prozent der deutschen Bevölkerung bestimmte Varianten des Filaggrin-Gens aufweisen, die das Erkrankungsrisiko für Neurodermitis um mehr als das Dreifache erhöhen. Für die aktuelle Studie waren 3000 Schulkinder in Zusammenarbeit mit dem Haunerschen Kinderspital in München untersucht worden.

Die Forscher fanden auch heraus, dass bestimmte Varianten im Filaggrin-Gen anfällig für Heuschnupfen machen. Außerdem lassen sie das Risiko von Neurodermitis-Patienten ansteigen, zusätzlich an Asthma zu erkranken. Allergische Erkrankungen haben in den vergangenen Jahrzehnten in den meisten Industrienationen stark zugenommen. Als Auslöser gilt eine Kombination aus genetischen und umweltbedingten Faktoren.

In jüngerer Zeit sind mehrere Gene im Zusammenhang mit allergischen Erkrankungen untersucht worden - und eines davon hat sich offenbar als Schlüsselfaktor entpuppt. Dieses Gen enthält die Bauanleitung für Filaggrin, ein wichtiges Eiweiß in der Hornschicht der Haut. Das Protein ist an der ordnungsgemäßen Verhornung der Haut beteiligt.

Wenn Filaggrin aufgrund eines Gendefekts vermindert oder überhaupt nicht gebildet werde, sei die natürliche Verhornung gestört und die natürliche Barrierefunktion der Haut eingeschränkt, erläuterten die Forscher. Varianten des Filaggrin-Gens seien auch an der Entstehung der Ichthyose (Fischschuppenkrankheit) beteiligt, die sich je nach genetischer Konstellation in mehr oder weniger trockener Haut zeige.

Zudem könnten Varianten des Filaggrin-Gens auch das Risiko für das allergische Kontaktekzem erhöhen, insbesondere für allergische Reaktionen gegen das häufig in Modeschmuck enthaltene Nickel, berichteten die Forscher. Sie setzen ihre Hoffnung nun auf die Entwicklung etwa von Cremes, die die Filaggrin-Produktion erhöhen oder auf anderem Weg die Funktion dieser Eiweiß-Art ersetzen könnten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »

Stotter-Therapie im virtuellen Raum

Geschätzt über 800.000 Bundesbürger stottern. Viele von ihnen ziehen sich komplett zurück, weil sie Ablehnung fürchten. Ein Ausweg: Therapie-Methoden, bei denen man zunächst zu Hause sprechen übt – online. mehr »