Ärzte Zeitung online, 27.03.2009

Pemphigus: Mit Peptiden gegen die zerstörerischen Autoantikörper

WÜRZBURG (eb). Wissenschaftler von der Uni Würzburg sind bei der Erforschung der Hautkrankheit Pemphigus (Blasensucht) weiter gekommen. Sie entwickelten spezielle Moleküle, die die zerstörende Wirkung der krankheitstypischen, gegen die Hautzellen gerichteten Autoantikörper hemmen.

Hautzellen sind im Normalfall eng miteinander verbunden (A). Setzt man der Zellkultur Antikörper von einem Patienten mit Pemphigus zu, fällt der Zellverband auseinander (C). Gibt man gleichzeitig mit dem Antikörper das an der Uni Würzburg entwickelte Peptid zu, ist der Zerfall vermindert (D).

Foto: Institut für Anatomie und Zellbiologie, Uni Würzburg

Beim Pemphigus greift das Immunsystem den eigenen Organismus an: Mit Antikörpern attackiert es eine Gruppe von Proteinen, die für den Zusammenhalt der Hautzellen nötig ist. Der normalerweise feste Zellverbund löst sich, in der Haut entstehen Hohlräume, die sich mit Flüssigkeit füllen. Daraus entstehen dann die dünnwandigen Blasen.

"Das Gefährliche an dieser Krankheit ist, dass sie die Barrierefunktion der Haut zerstört", sagt Anatomie-Professor Jens Waschke. Der Körper droht auszutrocknen, außerdem können gefährliche Bakterien eindringen und eine Blutvergiftung auslösen.

Die seltene Krankheit trifft vor allem 40- bis 70-Jährige. Pro Jahr sind in Deutschland rund 80 Menschen neu betroffen. Behandelt wird das chronische Leiden derzeit mit Cortison und anderen Medikamenten, die das Immunsystem dämpfen. "Das führt aber zu teils schweren Nebenwirkungen, so dass die Suche nach neuen Therapien gerechtfertigt ist", so Waschke in einer Mitteilung der Uni Würzburg.

Wie man prinzipiell die gefährlichen Antikörper im Organismus der Patienten bekämpfen, beschreiben die Würzburger Forschern in der Fachzeitschrift Journal of Biological Chemistry (13, 2009, 8589).

Professor Jens Waschke und seine technische Assistentin Lisa Bergauer an der so genannten Laserpinzette. Mit dieser Apparatur lassen sich Bindungsverhältnisse zwischen Zellen analysieren.

Foto: Robert Emmerich

In Zellkulturen ist es dem Team geglückt, die schädlichen Effekte der Antikörper deutlich zu verringern. Das gelang mit kleinen, eiweißartigen Molekülen (Peptiden), die speziell für diesen Zweck konstruiert wurden: Sie verringern das Ausmaß, in dem die Hautzellen unter dem Einfluss der Antikörper auseinanderfallen, um etwa die Hälfte.

Ob sich diese positive Wirkung auch an lebendem Hautgewebe erzielen lässt, müssen die Wissenschaftler als nächstes prüfen. Sollten die weiteren Untersuchungen gut verlaufen, weisen sie eventuell den Weg zu einer neuen Therapie gegen Pemphigus. "Die Peptide selbst kann man einem Menschen aber nicht verabreichen, weil sie möglicherweise eine Immunreaktion auslösen würden", so Waschke. Stattdessen müsse man Moleküle finden, die eine ähnliche Struktur wie die Peptide aufweisen und natürlich auch eine ähnlich gute Wirkung.

Pemphigus als Modellkrankheit

Nicht nur neue Therapien gegen die Erkrankung haben die Würzburger Forscher im Blick. Sie wollen auch grundlegende Erkenntnisse gewinnen. "Pemphigus ist ein wichtiges Modell, um zu untersuchen, welche Rolle Antikörper bei der Entstehung von Autoimmunkrankheiten spielen", so Waschke. "Außerdem nutzen wir die Antikörper als Werkzeuge, mit denen wir den Aufbau und die Regulation von Kontakten zwischen Zellen erforschen." Für den Erfolg der Arbeiten sei die fachübergreifende Kooperation im Würzburger Sonderforschungsbereich 487 mit verantwortlich

Abstract der Studie "Peptides Targeting the Desmoglein 3 Adhesive Interface Prevent Autoantibody-induced Acantholysis in Pemphigus"

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