Ärzte Zeitung online, 27.09.2010

Nikotintransfer über die Kleidung kann Babys schaden

BÖNNIGHEIM (dpa). Nikotin im Zigarettenrauch kann Haut- und Nervenzellen von Babys schädigen, selbst wenn die Eltern zum Rauchen ins Freie gehen. Das haben jetzt Wissenschaftler der Hohenstein Institute in Bönnigheim bei Ludwigsburg im Zellversuch herausgefunden.

Nikotintransfer über die Kleidung kann Babys schaden

Die gesunde Hautzelle (links) und die mit "thirdhand smoke" behandelte Zelle (rechts). Rechts ist die Schädigung (Vakuolenbildung) ist deutlich zu erkennen.

© Hohenstein Institute

Die Forscher sind der Frage nachgegangen, was passiert, wenn Eltern nach der Zigarettenpause auf dem Balkon ihr Baby wieder auf den Arm nehmen. Denn in der Kleidung können sich Schadstoffe aus Zigaretten weitaus höher konzentrieren als in der Umgebungsluft.

In einem Versuch haben sie ein eigens entwickeltes dreidimensionales Zellkultur-Modell zu Hilfe genommen, das im Aufbau und in der Beschaffenheit der Haut von Babys und Kleinkindern gleicht.

Sie legten verrauchte Kleidungsstücke auf das Modell und konnten damit nachweisen, dass das Nervengift Nikotin sich durch den Hautschweiß aus der Kleidung wieder herausgelöst hat und in allen Hautschichten der Babyhaut vorhanden war. Es war zudem sogar in tiefere Körperschichten vorgedrungen.

"Die gelösten Schadstoffe bewirken, dass Hautzellen absterben und die Nervenzellen sich nicht mehr untereinander vernetzen können. Dadurch kann die Entwicklung des Nervensystems gestört werden", erklärt der wissenschaftliche Projektleiter Timo Hammer.

Deshalb forschen die Wissenschaftler nun an Textilbeschichtungen, die die Schadstoffe aus den Zigaretten in harmlose Substanzen umwandeln. Dafür sind sie derzeit noch auf der Suche nach Partnern aus der Industrie.

Infos des Hohenstein Institute: http://www.hohenstein.de/content/content1.asp?hohenstein=33-162-0-824-0-0

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Intensives Ausdauertraining bremst frühen Parkinson

Sport lohnt sich: Kommen Parkinsonkranke im frühen Stadium regelmäßig ins Schwitzen, bleiben ihre motorischen Fähigkeiten über mindestens ein halbes Jahr hinweg stabil. mehr »

Wo und wann sich Patienten im Krankenhaus wohlfühlen

Die Bertelsmann Stiftung hat untersucht, wo Patienten ihren Klinikaufenthalt am besten bewerten. Dabei fanden die Analysten interessante Zusammenhänge heraus. mehr »

Krebsüberlebende nach Infarkt oft untertherapiert

Patienten mit Herzinfarkt, die eine Krebsdiagnose in ihrer Anamnese stehen haben, erhalten seltener eine leitliniengerechte Therapie. Das wirkt sich auch auf die Mortalität aus. mehr »