Ärzte Zeitung online, 01.09.2011

Haut auf Spinnenseide gezüchtet

Künstliche Haut lässt sich offenbar gut auf einem Geflecht aus Spinnenseide züchten, wie in In-vitro-Experimente ergeben haben. Daraus könnten sich neue Optionen für die Therapie auftun.

Haut auf Spinnenseide gezüchtet

Hanna Wendt, die den kleinen Rahmen hält, auf den sie Seide der Goldenen Radnetzspinne, die im Hintergrund zu sehen ist, aufgespult hat.

© Kaiser / MHH

HANNOVER (eb). Spinnenseide könnte der Schlüssel zum erfolgreichen Züchten von künstlicher Haut sein - und somit dazu beitragen, chronische Wunden und Verbrennungen zu heilen.

Das hat Hanna Wendt in ihrer Doktorarbeit an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) herausgefunden.

Spinnenseide kann in großer Menge gewonnen werden

Zur Züchtung von Hautzellen nutzte die Wissenschaftlerin von der Klinik für Plastische Hand- und Wiederherstellungschirurgie den Haltefaden der in Tansania heimischen Goldenen Radnetzspinne, dessen Produktion die Tiere nicht kontrollieren können.

Dieser Seidenfaden kann durch leichtes Ziehen auf einen ein Quadratzentimeter großen Edelstahlrahmen aufgespult werden, wobei eine Fläche aus kleinen Maschen entsteht.

In 10 bis 15 Minuten Melkzeit pro Spinne lässt sich ein Strang von bis zu 400 Meter Länge gewinnen, heißt es in der Mitteilung der MHH.

Hautzellen, die Wendt auf diese Maschen aufgetragen und mit Nährstoffen, Wärme und Luft versorgt hat, wuchsen zu zwei übereinanderliegenden gewebeähnlichen Hautschichten heran: Keratinozyten bildeten eine Epidermis, Fibroblasten die darunterliegende Dermis (PLoS ONE 6(7): e21833). Im Tierversuch müsse sich nun zeigen, wie gut dieser Ersatz anwächst.

Spinnenseide ist stabil und dabei sehr elastisch

"Spinnenseide ist den Aufgaben der Haut bestens gewachsen: Sie ist sehr stark, trotzdem dehnbar und wird vom menschlichen Körper toleriert. Somit kann sie mehr leisten als andere Materialien, die bisher zur Züchtung künstlicher Haut untersucht worden sind", wird Wendt in der Mitteilung zitiert.

Forscherinnen dieser Klinik hatten zuvor bereits herausgefunden, dass diese Seide bei der Regeneration von Nerven hilft und sich als Nahtmaterial eignet.

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