Ärzte Zeitung online, 28.08.2012

Zementbrand

Nach dem Estrich in die Hautklinik

Der Zementbrand ist in Deutschland offenbar der häufigste Grund für ein schweres irritatives Kontaktekzem. Betroffen sind vor allem sorglose Heimwerker.

Nach dem Estrich in die Hautklinik

Fast glatt: Estrich geht auf die Haut.

© Nordreisender / fotolia.com

WÜRZBURG (mut). Wenn der Hautarzt die ringförmigen, schwarzroten nekrotischen Flächen um die Knie sieht, dann erübrigen sich meist sämtliche Fragen: Hier hat jemand zu Hause selbst den Estrich verlegt.

Statt die Arbeit einem Profi zu überlassen, ist er stundenlang ohne Schutzkleidung auf dem Garagenboden im nassen Zement gekniet.

So ähnlich geschehen ist dies bei elf Heimwerkern, die mit schwerem Zementbrand in die Würzburger Uniklinik eingewiesen wurden. Alle waren Häuslebauer und wollten sich die Handwerker für den Garagenboden sparen.

Auf diese häufige Ursache eines schweren irritativen Kontaktekzems haben Dermatologen um Dr. Heiko Poppe von der Universitätshautklinik in Würzburg hingewiesen (Contact Dermatitis 2012; online 20. August).

Sie hatten sich Ursache und Verlauf von akuten Kontaktekzemen bei 54 Patienten genauer angesehen, die in der Uniklinik behandelt wurden. Am häufigsten war dabei nasser Zement Ursache der Beschwerden (elf Patienten).

Es folgten topische Arzneien, etwa antiseptische Präparate, die unter Bandagen geschmiert wurden (zehn Patienten), Desinfektionsmittel (acht Patienten), biologische Flüssigkeiten, etwa Harn bei Inkontinenzpatienten (sieben Patienten) sowie Lösungsmittel (sechs Patienten).

Nasser Zement war dabei nicht nur die häufigste Ursache für die Beschwerden, sondern auch das einzige Agens, das schwere Grad-IV-Verbrennungen herbeiführte.

Ätzende Wirkung oft unbekannt

Solche Gewebezerstörungen mit Nekrosen und Ulzeration wurden bei allen elf Zementbrandpatienten beobachtet, aber bei keinem der anderen Patienten.

Die Gefahr durch nassen Zement, so die Studienautoren, wird gerade von Heimwerkern häufig unterschätzt. Im Gegensatz zu professionellen Handwerken, die im Umgang mit dem Material geschult sind und Schutzkleidung tragen, wissen Heimwerker oft nicht, wie ätzend Zement sein kann.

Bekannt sei, so Poppe und Mitarbeiter, das alkalische Mittel die Haut oft viel tiefer und schwerer schädigen als Säure. Zudem verursachen alkalische Mittel nicht so schnell Schmerzen - den Häuslebauern brennen die Knie oft erst, wenn es zu spät ist.

Aus diesen Gründen komme es nicht selten zu schweren nekrotischen Schäden.

Bei den elf Patienten mit Zementbrand begannen die Symptome mit Hautrötungen und einem brennenden Gefühl meist vier bis acht Stunden nach Exposition.

Einen Dermatologen suchten die Heimwerker allerdings erst nach ein bis drei Tagen auf, weil sie den Symptomen zunächst wenig Beachtung schenkten.

Zur ersten Hilfe bei Zementbrand empfehlen die Dermatologen eine gründliche Reinigung von jeglichen Zementresten mit Wasser, gegebenenfalls mit einprozentiger Essigsäure, wobei hier allerdings die Gefahr einer weiteren Hautreizung besteht.

Bei einem fortgeschrittenen Zementbrand geben die Ärzte einer antiseptischen und kühlenden topischen Behandlung den Vorzug und raten zugleich von topischen Antibiotika wegen der Resistenzgefahr ab.

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