Ärzte Zeitung, 04.06.2013

Narben

Fibroblasten gegen Akne

Die dreimalige Injektion autologer Fibroblasten verbessert das Erscheinungsbild von Aknenarben deutlich. Das geht aus einer Placebo-kontrollierten Studie hervor, in der die Patienten bis zu vier Monate lang nachbeobachtet wurden.

Von Peter Leiner

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Entwickeln sich Aknepusteln zu -narben kann eine Injektion von körpereigenen Fibroblasten helfen.

© Dr. Hans Schulz, Bergkamen

WINSTON SALEM. Die Injektion von körpereigenen Bindegewebszellen wurde in der Studie gewählt, weil es Hinweise gibt, dass ihr Effekt auf die Narben anhaltend ist (Dermatologic Surgery 2013; online: 8 Apr 2013).

In der Studie mit knapp 100 Patienten, die ausgedehnte atrophe Aknenarben auf beiden Gesichtshälften hatten, diente jeder Teilnehmer auch als Kontrolle: Auf der einen Gesichtshälfte wurden die aus der Haut hinter dem Ohr isolierten und aufbereiteten Fibroblasten intradermal in das Narbenareal injiziert, auf der anderen Gesichtshälfte dagegen wurde nur die Nährlösung für die Zellen gespritzt.

Injiziert wurden die nach einem von dem US-Unternehmen Fibrocell entwickelten Verfahren vorbereiteten Zellen dreimal im Abstand von zwei Wochen, auf der "Verumseite" 20 bis 40 Millionen Zellen in 2 ml Injektionsflüssigkeit, auf der anderen Seite 2 ml Lösung ohne Zellen.

Für die Behandlung waren pro Gesichtshälfte für ein Hautareal von etwa 28 bis 29 cm2 zwischen 25 und 40 intradermale Injektionen erforderlich.

Der Erfolg der Behandlung wurde nach einem Monat sowie nach zwei, drei und vier Monaten beurteilt. Dazu wurden die Patienten selbst und ein Dermatologe befragt sowie Fotografien ausgewertet.

Auf einer Fünf-Punkte-Skala mussten die Patienten angeben, ob sie sehr unzufrieden, unzufrieden, ein wenig zufrieden, zufrieden und sehr zufrieden mit der erzielten Veränderung des Erscheinungsbildes waren.

Der Dermatologe musste den Schweregrad der Aknenarben auf einer Fünf-Punkte-Skala beurteilen, von "nicht sichtbar" bis "ausgeprägt".

Patienten an der Weiterbehandlung interessiert

Zu Studienbeginn empfanden 66 Prozent der Teilnehmer das Erscheinungsbild der Narben auf der Seite mit der Zelltherapie als sehr unbefriedigend, für die gegenüberliegende Kontrollseite waren es 72 Prozent.

Anders die Beurteilung der Dermatologen: 56 Prozent von ihnen bewerteten den Schweregrad der Aknenarben auf der "Verumseite" als moderat und ähnlich viele die Narben auf der Kontrollseite.

Nach vier Monaten sagten mehr als doppelt so viele Teilnehmer, dass die mit den Zellen behandelte Gesichtshälfte sich im Erscheinungsbild um mindestens zwei Punkte gebessert habe (43 versus 18 Prozent).

Von den Dermatologen meinten 59 Prozent, das Bild auf der mit Zellen behandelten Seite sei um mindestens einen Punkt besser geworden, im Vergleich zu 42 Prozent auf der Seite ohne Zellbehandlung.

Auch bei der Auswertung der Fotografien ergab sich eine signifikante Verbesserung auf der mit den autologen Fibroblasten behandelten Gesichtshälfte, wie die Dermatologen um Dr. Girish S. Munavalli von der Wake Forest University in Winston Salem berichten.

Insgesamt wurden die Injektionen gut vertragen. Die häufigsten unerwünschten, transienten Wirkungen waren Erytheme (11,1 Prozent) und Schwellungen (10,1 Prozent). Fast 90 Prozent der Veränderungen waren nach einer Woche wieder verschwunden.

Und: Fast alle Patienten gaben an, sie seien an einer weiteren Behandlung mit ihren Zellen interessiert. Es wird vermutet, dass den Verbesserungen des Erscheinungsbildes durch die autologe Fibroblastentherapie möglicherweise eine Neubildung des Kollagens sowie eine Modulation der extrazellulären Matrix im Narbengewebe zugrunde liegt.

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