Ärzte Zeitung online, 28.08.2013

Dekubitus-Behandlung

Viel im Trüben fischen

US-amerikanische Ärzte haben nach evidenzbasierten Maßnahmen zur Dekubitustherapie gesucht - und nur relativ wenig zutage gefördert.

Von Beate Schumacher

Viel im Trüben fischen

Dekubitus in der Kreuzbeinregion. Für den Effekt von Luftbetten gibt es konsistente Daten aus fünf Studien.

© Dr. Hans Schulz, Bergkamen

PORTLAND. Die Strategien zur Behandlung von Dekubitalulzera umfassen ein breites Spektrum: von Spezialbetten über Wundverbände und Begleittherapien wie Elektrostimulation bis zum chirurgischen Wundverschluss.

Die wissenschaftliche Datenbasis für diese Therapien ist jedoch recht bescheiden, wie Mediziner der Universität von Portland (Oregon) kritisieren.

"Für Luftbetten, Proteinsupplementation, beheizbare Sekundärverbände und Elektrostimulation besteht eine mäßig gute Evidenz, dass sie die Abheilung von Druckulzera bei Erwachsenen verbessern", schreiben M. E. Beth Smith und Kollegen (Ann Intern Med. 2013; 159: 39-50). Für alle anderen Therapien sei die Datenlage noch schwächer.

Studienqualität als schlecht beurteilt

Die Ärzte haben alle einschlägigen randomisierten Studien und vergleichenden Beobachtungsstudien sowie alle chirurgischen Studien mit mehr als 50 Teilnehmern aus den Jahren 1985 bis 2012 in einem systematischen Review ausgewertet.

Insgesamt konnten sie dafür auf 174 Studien zurückgreifen, allerdings war nur in 92 die vollständige Wundheilung als Endpunkt definiert. Die Studienqualität wird von Smith und Kollegen generell als schlecht beurteilt, sie bemängeln kleine Probandenzahlen und zu kurze Beobachtungszeiten.

Für Luftbetten gibt es konsistente Daten aus fünf Studien, wonach sie stärker zu Reduktion von Wundgröße und Ulkusstadium beitragen als normale Krankenhausbetten. Eine schwache Evidenz besteht zudem für den Nutzen von Betten mit wechselndem Druck.

Ausreichende Daten für Proteinzufuhr

Bei der Nahrungsergänzung liegen ausreichende Daten vor allem für die Proteinzufuhr vor. Trotz unterschiedlicher Formulierungen war sie in den meisten Studien mit einer Verkleinerung der Dekubitusfläche assoziiert. Dagegen ließ Vitamin C keinen Nutzen erkennen. Zu Zink war keine Aussage möglich.

Mit Hydrokolloidverbänden, dafür gibt es aus zehn Studien allerdings nur geringe Evidenz, nimmt die Wundgröße stärker ab als mit einem Mullverband.

Im Hinblick auf die vollständige Wundheilung waren Hydrokolloid- und Schaumverbände vergleichbar. Beheizte Sekundärverbände beschleunigten die Wundheilung.

Widersprüchlich und unzureichend waren die Daten zur topischen Applikation von Enzymen, die ein Débridement bewirken sollen, und von Phenytoin. Kollagen scheint der Wundheilung nicht dienlich zu sein.

Nur für Platelet-Derived Growth Factor (PDGF) fand sich eine schwache Evidenz, dass die Abheilung schwerer Dekubitalulzera gefördert wird.

Welches operative Verfahren zur Deckung eines Dekubitus am besten geeignet ist, ließ sich wegen der mangelhaften Studienlage nicht entscheiden.

Als Begleittherapien wurden elektrische Stimulation, elektromagnetische Therapie, therapeutischer Ultraschall, Unterdruck-Wundbehandlung, Hydro-, Licht- und Lasertherapien getestet.

Als evidenzbasiert stufen Smith et al. nur Elektrostimulation (mittelgradige Evidenz) und Lichttherapien (geringe Evidenz) ein.

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