Ärzte Zeitung, 24.05.2017

Berufskrankheit Hautkrebs

Gefahren sind oft unbekannt

Nicht einmal jeder Dritte derjenigen, die in Bayern berufsbedingt im Freien arbeiten, cremt sich regelmäßig mit Sonnenschutzmittel ein, jeder Fünfte lässt es gleich ganz bleiben. Dermatologen fordern jetzt mehr berufsspezifische Aufklärung.

Von Christine Starostzik

Gefahren sind oft unbekannt

Dachdecker: In Sachen Sonnencreme und -brille ist diese Berufsgruppe noch am einsichtigsten.

© Joerg Mikus / Stock.Adobe.com

MÜNCHEN. Basalzell- und Plattenepithelkarzinome (Non-Melanoma Skin Cancer, NMSC) werden bei Menschen, die im Freien arbeiten, in Deutschland seit 2015 offiziell als Berufskrankheit anerkannt. Seitdem haben sich die Bemühungen um Prävention verstärkt.

Doch während die Krebsgefahr in der Fachwelt mittlerweile bestens bekannt ist, ahnen viele Betroffene nichts von ihrem Risiko. Dr. Alexander Zink von der Technischen Universität München und seine Kollegen haben jetzt in einer Querschnittstudie untersucht, was Menschen aus drei verschiedenen Hochrisikogruppen (Landwirte, Gärtner und Dachdecker) mit reichlich Freilufttätigkeit eigentlich über die Gefahren der Sonne und deren Folgen für die Haut wissen und wie sie sich tagtäglich schützen (JEADV 2017; online 8. Mai 2017).

Lästiges Eincremen

Alle 353 Studienteilnehmer (82,7 Prozent Männer) wurden über ihre jeweiligen Berufsverbände kontaktiert. Die meisten von ihnen hielten sich länger als 21 Stunden pro Woche im Freien auf.

Im März und April 2016 beantworteten sie online 20 Fragen, die auf ihr Problembewusstsein im Hinblick auf NMSC sowie ihr Risikoverhalten und ihre präventiven Bemühungen schließen ließen. Zwei von drei Befragten hatten sich bislang keinem Hautkrebs-Screening unterzogen, und fast ein Drittel hatte noch nie von einer solchen Möglichkeit gehört.

43,4 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, während der Arbeit selten oder niemals Sonnencreme zu verwenden, nur 27,7 Prozent cremten sich immer ein. Die Befragung verdeutlichte die Gründe hierfür: Jeder Zweite denkt offenbar einfach nicht daran, dass er sich schützen sollte, oder findet es schwierig, die Maßnahmen in die Tagesroutine einzubauen. Fast genauso viele gaben an, die Prozedur sei ihnen lästig, und jedem Vierten waren lange Ärmel und Hosenbeine einfach zu warm.

Mehr Information ist nötig

Am meisten verabscheuten Männer und Landwirte die kosmetischen Sonnenschutzpräparate. In Sachen Sonnencreme und -brille waren Dachdecker noch die einsichtigsten. Dennoch fanden auch solche Maßnahmen relativ wenig Anklang.

Die größte Akzeptanz erfuhren insgesamt noch lange Hosen oder eine Kopfbedeckung. Immerhin erklärten 75,6 Prozent der Befragten, sie blieben wenigstens während der Pausen im Schatten.

Diejenigen, die das Hautkrebsrisiko unterschätzten, ließen Sonnenschutzmittel, langärmelige Hemden, Sonnenbrille und Kopfschutz naturgemäß signifikant häufiger links liegen. Wenig scheint unter den Freiluftarbeitern auch über Sonnenschutzfaktoren bekannt zu sein. Nur 3,7 Prozent der Studienteilnehmer wussten mit der Angabe auf dem Behälter etwas anzufangen.

Dies zeige, so Zink und Kollegen, dass generell mehr über Sonnenschutzmittel informiert werden müsse. Und genau dies wünschen sich tatsächlich auch 53 Prozent der Befragten.

Obwohl bereits gut belegt sei, dass Menschen, die einen Beruf im Freien ausüben, häufiger an einem Plattenepithel- und Basalzellkarzinom erkranken, so Zink und Kollegen, seien sich die Betroffenen dieses Risikos noch immer kaum bewusst.

Um die enorme Belastung durch diese häufigen Hautkrebsarten zu reduzieren, so das Resümee der Dermatologen, müssten nachhaltige Präventionsprogramme etabliert werden, die speziell auf die verschiedenen Berufsgruppen zugeschnitten sind. In diese Bemühungen seien die Berufsverbände ebenso einzubeziehen wie die Arbeitgeber.

43% der befragten Personen (Landwirte, Gärtner und Dachdecker) gaben an, während der Arbeit selten oder niemals Sonnencreme zu verwenden.

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