Ärzte Zeitung online, 23.08.2017
 

Alopezie

Neuer Ansatz, um Haarwachstum anzukurbeln

US-Forscher haben jetzt Stammzellen der Haarfollikel so aktivieren können, dass das Haarwachstum angekurbelt wird. Damit eröffnet sich ein neuer Weg bei der Alopezietherapie.

Neuer Ansatz, um Haarwachstum anzukurbeln

Ist es eine Frage des Metabolismus in den Haaarfollikelzellen, wenn nicht mehr genug neue Haare produziert werden? Forschungsdaten legen das nahe.

© JPC-PROD / Fotolia

LOS ANGELES. Haarfollikelstammzellen können normalerweise während der gesamten Lebenszeit eines Menschen neue Haare produzieren. Zwischen den aktiven Produktionszyklen gibt es immer wieder inaktive Ruhephasen (Telogenphase). Was genau dabei die Haarfollikelzellen zum erneuten Wachstum (Anagenphase) anregt, war bisher nicht genau bekannt.

Forscher der University of California in Los Angeles haben sich nun den Metabolismus der Haarfollikelstammzellen genauer angeschaut und Unterschiede zu anderen Zellen der Haut festgestellt. Zudem haben sie zwei Substanzen gefunden, die den Stoffwechsel und damit das Haarwachstum positiv beeinflussen können.

Wie sie in einer Publikation in "Nature Cell Biology" (DOI: 10.1038/ncb3575) berichten, hängt die Aktivierung und damit der Start der Haarproduktion sehr stark von der enzymatischen Umwandlung von Glukose ab. Dabei geht es – vereinfacht – darum, ob Glucose in Pyruvat umgewandelt wird, das in die Mitochondrien, gelangt oder in Laktat – wobei Letzteres die Haarfollikelstammzellen offenbar zur Haarproduktion anregt, heißt es in einer Mitteilung der Universität.

Die Wissenschaftler untersuchten daraufhin, wie sich die Blockade der Laktatproduktion bei Mäusen aus wirkt. Tatsächlich sei daraufhin die Aktivierung der Haarfollikelstammzellen unterblieben, so die Forscher. Umgekehrt erhöhte eine vermehrte Laktatproduktion die Aktivität der Haarfollikelstammzellen.

Signalwege aktivieren oder Pyruvat blockieren?

"Bislang war dieser Einfluss von mehr oder weniger Laktat auf die Aktivität von Haarfollikelstammzellen nicht bekannt", so der Molekularbiologe Prof. William Lowry, einer der Studienleiter. Mit den neuen Erkenntnissen habe sich auch die Frage gestellt, mit welchen Substanzen sich gezielt die Laktatproduktion erhöhen und darüber dann auch die Stammzellen verstärkt aktivieren lassen. Die Forscher sind hierbei auf zwei Kandidaten gestoßen: RCGD423 und UK5099.

Die erste Substanz aktiviert den Wissenschaftlern zufolge ein zelluläres Signalweg (JAK-Stat). Bei Mäusen wurde darüber nachweislich die Laktatproduktion in den Stammzellen angekurbelt und damit auch das Haarwachstum der Tiere.

Die zweite Substanz blockiert wiederum die Aufnahme von Pyruvat in die Mitochondrien der Haarfollikelstammzellen, was ebenfalls eine verstärkte Laktatproduktion auslöst und das Haarwachstum bei Mäusen förderte. Für beide Substanzen sei nun ein Patent beantragt worden, so die Universität. Weitere klinische Untersuchungen müssen nun den positiven Effekt auf das Haarwachstum natürlich noch bei Menschen bestätigen. (run)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Frauen schuld an "Männergrippe"?

Jammernde Männer mit Erkältung sind keine Weicheier, sie leiden tatsächlich stärker. Das liegt wohl am Testosteron. Und an Frauen, die testosterontriefende Männer bevorzugen. mehr »

Stammzellgesetz – Bremse für Forscher?

2002 gab es um die Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen eine hochemotionale Debatte. Heute ist der Pionier von ehedem mit dem Stand seiner Arbeit zufrieden. Doch nicht nur er fürchtet durch das Stammzellgesetz Nachteile für Forscher in Deutschland. mehr »

Ebola-Überlebende auch 40 Jahre später noch immun

Eine Forscherin machte sich auf die Suche nach den Überlebenden des ersten Ebola-Ausbruchs – und verspricht sich davon wichtige Erkenntnisse. mehr »