Ärzte Zeitung online, 27.11.2017
 

Frankreich

Chirurgen transplantieren Brandopfer 95 Prozent der Hautoberfläche

PARIS. Französische Chirurgen haben einem Brandopfer das Leben gerettet, indem sie die nach eigenen Angaben umfassendste Hauttransplantation aller Zeiten durchführten.

Dem Mann hatte ein Feuer 95 Prozent seiner Haut irreversibel verbrannt. Auf der gesamten Fläche wurde ihm in drei Operationen Haut seines eineiigen Zwillings transplantiert, wie die öffentlichen Krankenhäuser von Paris (AP-HP) mitteilten. "Franck, so heißt er, wurde im September 2016 eingeliefert, mit Verbrennungen dritten Grades von 95 Prozent seiner Haut", sagt Maurice Mimoun, Chirurg am Saint-Louis-Krankenhaus. "Jeder, der an dem Tag Dienst hatte, war niedergeschlagen, weil wir wussten, dass seine Überlebenschancen quasi bei Null lagen."

Doch am nächsten Tag sei Francks eineiiger Zwillingsbruder Eric ins Krankenhaus gekommen. "Da gab es plötzlich große Hoffnung", sagt Mimoun. Denn anders als bei anderen Spendern stößt das Immunsystem eines Patienten transplantierte Haut von genetisch identischen Zwillingen nicht ab. Eric ließ sich insgesamt die Hälfte seiner Haut abnehmen, um das Leben seines Bruders zu retten, berichtete der Sender Franceinfo. Mit einer Spezialmaschine wurde sie gedehnt, um die verbrannten 95 Prozent bei Franck abdecken zu können.

Eineiige Zwillinge sind selten, so dass eine solche Transplantation die Ausnahme bleiben dürfte. Das Glücken der Operation berge dennoch Hoffnung für alle Opfer großflächiger Verbrennungen, sagt Mimoun: Wenn es sogenannte Universalhaut gäbe, die das Immunsystem nicht abstößt, könne ein Opfer auch mit so großflächigen Verbrennungen gerettet werden. Daran forschen Wissenschaftler noch. Mimoun ist sicher: "Das ist kein Traum. Wir sind fast da." (dpa)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Frauen schuld an "Männergrippe"?

Jammernde Männer mit Erkältung sind keine Weicheier, sie leiden tatsächlich stärker. Das liegt wohl am Testosteron. Und an Frauen, die testosterontriefende Männer bevorzugen. mehr »

Stammzellgesetz – Bremse für Forscher?

2002 gab es um die Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen eine hochemotionale Debatte. Heute ist der Pionier von ehedem mit dem Stand seiner Arbeit zufrieden. Doch nicht nur er fürchtet durch das Stammzellgesetz Nachteile für Forscher in Deutschland. mehr »

Ebola-Überlebende auch 40 Jahre später noch immun

Eine Forscherin machte sich auf die Suche nach den Überlebenden des ersten Ebola-Ausbruchs – und verspricht sich davon wichtige Erkenntnisse. mehr »