Ärzte Zeitung, 04.12.2017
 

Telemedizin

Dermatologische Diagnose klappt auch per Handyfoto

Telemedizin einmal anders: Schicken Eltern Handyfotos von Hautläsionen ihrer Kinder an Dermatologen, können diese eine fast so akkurate Diagnose stellen wie bei einer persönlichen Untersuchung.

Von Thomas Müller

Dermatologische Diagnose klappt auch per Handyfoto

Was hat mein Kind? Ein Handyfoto, über eine spezielle App an den Arzt geschickt, könnte Besuche beim Dermatologen überflüssig machen.

© lisalucia / stock.adobe.com

PHILADELPHIA. So mancher Dermatologe wird verwundert den Kopf schütteln, aber glaubt man US-Hautärzten um Dr. Daniel O'Connor von der Kinderklinik in Philadelphia, genügen oft simple Handyfotos von Hautveränderungen für eine ordentliche Diagnose (JAMA Dermatol. 2017; online 15. November). Dazu müssen die Eltern noch nicht einmal speziell in der Smartphone-Fotografie geschult werden, meist klappt das auch mit dem vorhandenen Wissen und der Automatikeinstellung der Handykamera.

Entlastung für Dermatologen

Ein Handyfoto an den Arzt geschickt, könnte daher einen Besuch oft überflüssig machen und Dermatologen entlasten, berichtet das Team um O'Connor nach einer prospektiven Studie mit 40 dermatologisch erkrankten Kindern und ihren fotografierenden Eltern, die zu einer ersten Untersuchung in die Klinik kamen.

Im Warteraum wurden die Eltern gebeten, mit ihrem Smartphone ein Foto der Problemstelle zu machen und es über eine spezielle App in ein elektronisches Datenregister zu überstellen; dort werteten es Dermatologen aus. Zusätzlich übertrugen die Eltern auch einen Fragebogen mit Angaben zum Kind und zum Problem. Die Hälfte der Eltern bekam eine Anweisung, wie die Fotos am besten gelingen und worauf es bei der Aufnahme von Hautläsionen ankommt, die andere Hälfte wurde nicht speziell geschult. Nach der Fotoübertragung erfolgte bei allen Kindern eine gründliche persönliche Untersuchung durch einen Dermatologen.

83 Prozent richtige Diagnosen

Die Kinder waren im Schnitt sieben Jahre alt, die Eltern verwendeten zumeist ein iPhone 5 oder 6 (63 Prozent). Alle Kameras hatten mindestens eine 8-Megapixel-Auflösung und waren weniger als vier Jahre alt. Sie lieferten eine durchweg überzeugende Bildqualität: Diese wurde auf einer 10-Punkte-Skala im Median mit 9 Punkten beurteilt. Nur bei drei Kind-Eltern-Paaren konnte aufgrund der schlechten Bildqualität keine Ferndiagnose erfolgen.

Insgesamt stimmten 83 Prozent der Diagnosen basierend auf Telemedizin und auf persönlichem Kontakt überein. Wurden nur die Fotos mit ausreichender Bildqualität berücksichtigt, betrug die Übereinstimmung sogar 89 Prozent. Die Konkordanz variierte aber je nach Diagnose deutlich: Bei Muttermalen betrug sie 100 Prozent, bei Ausschlägen 92 Prozent, nur 64 Prozent der Diagnosen stimmten dagegen bei Alopezie-bedingten Problemen überein. Die Art des Smartphones und dessen Alter waren hingegen nicht von Belang.

Fotografisch instruierte Eltern lieferten etwas bessere Bilder (9,5 versus 8,9 Punkte auf dem Qualitätsindex), der Unterschied war knapp signifikant. Auch die Diagnosekonkordanz war bei den geschulten Eltern etwas höher (85 versus 80 Prozent), die Differenz erwies sich jedoch als statistisch nicht bedeutsam (p = 0,68).

Eltern begeistert

Die Eltern waren von der telemedizinischen Konsultation recht angetan. Gefragt, ob sie diese einem persönlichen Arztgespräch mit dem damit verbundenen Anreiseaufwand und der Wartezeit vorziehen würden, stimmten die meisten zu. Auf einer Skala von 0–10 Punkten bekundeten sie mit im Median 8 Punkten eine recht hohe Bereitschaft für eine teledermatologische Untersuchung.

"In den meisten Fällen können Eltern mit dem Smartphone Bilder in ausreichender Qualität für eine teledermatologische Diagnose liefern", schließen die Ärzte um O'Connor. Die Technik wäre etwa für eine Vorabauswahl von Patienten sinnvoll: Kinder mit unklarem oder kritischem Befund könnten dann rascher einen Termin für eine persönliche Untersuchung bekommen, bei anderen wäre eine solche Untersuchung mitunter überflüssig. Ein weiterer Vorteil: Verdächtige Noduli könnten gleich in einem spezialisierten Zentrum abgeklärt werden.

[04.12.2017, 08:35:58]
Steffen Jurisch 
Überflüssig...
das ist wohl das richtige Wort, die Ärzte helfen mit dieser Methode mit, sich in der Zukunft überflüssig zu machen oder was glauben diese ist das (nicht mehr lang auf sich warten lassende) Fernziel? All diese Fotos werden gespeichert, die Fragebögen und die Antworten dazu ebenfalls, alles schön eingepflegt in einen Algorhythmys und schon kann ich diese App dem "Kunden" anbieten und er spart sich in den USA den kostenpflichtigen Besuch beim Arzt und in Deutschland sparen sich die Krankenkassen die Kosten für den Arzt. Abgesehen davon, was ist (zumindest in Deutschland) mit dem Verbot der Fernbehandlung, bei Neu-Patienten?

Dieser Artikel könnte also auch unter "Ärzte schaffen sich selbst ab" stehen. Bei Jameda sind wir ja schon dabei, per "super moderner" Videoberatung die Patienten zu "behandeln" - der Schwachsinn greift immer mehr um sich... zum Beitrag »
[04.12.2017, 06:33:02]
Tilman Kappe 
Arzt oder KI?
In Australien testet IBM Gleiches - nur schickt es die Bilder an Dr.Watson, IBM´s Programm für künstliche Intelligenz. Es funktioniert gut, die Erkennungraten liegen bei 90% und nicht, wie hier, um die 80%.

Wenn das Verfahren Einzug hält, werden sich viele Dermatologen warm anziehen müssen...wie auch Radiologen! zum Beitrag »

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