Ärzte Zeitung online, 08.12.2017

Studie bei Kindern

Mit Probiotikamix sinkt Bedarf an Kortison bei Neurodermitis

Eine orale Probiotikamischung aus drei Stämmen erwies sich bei Kindern mit moderater atopischer Dermatitis als effektiv. Der Hautzustand verbesserte sich in zwölf Wochen im Vergleich zur Kontrollgruppe, und der Verbrauch topischer Kortikoide ging zurück.

Von Christine Starostzik

Mit Probiotikamix sinkt Bedarf an Kortison bei Neurodermitis

Atopische Dermatitis bei einem Kind; auch mit Probiotika werden Behandlungserfolge erzielt.

© picture-alliance - dpa

GUADALUPE. Eine neue Zusammensetzung dreier Bakterienstämme konnte in einer Untersuchung der spanischen Universidad Católica San Antonio de Murcia erfolgreich zur adjuvanten Behandlung bei der atopischen Dermatitis eingesetzt werden (JAMA Dermatol. 2017; online 8. November). In einer zwölfwöchigen randomisierten doppelblinden Studie erhielten von März bis Juni 2016 50 Kinder zwischen 4 und 17 Jahren mit moderater atopischer Dermatitis (SCORAD-Index 20–40) entweder täglich eine Tablette einer Probiotikakombination aus Bifidobacterium lactis CECT 8145, Bifidobacterium longum CECT 7347 und Lactobacillus casei CECT 9104 (pro Tablette 109 koloniebildende Einheiten im Verhältnis 1:1:1) mit Maltodextrin oder Maltodextrin allein als Placebo.

Ernährung mit Mittelmeerkost

Die für diese Mischung verwendeten Stämme hatten sich bei früheren Untersuchungen aufgrund verschiedener Eigenschaften besonders bewährt (antioxidative bzw. antiinflammatorische Effekte, positiver Einfluss auf die Darmflora sowie Wirksamkeit gegen verschiedene darmpathogene Keime). Jedem Kind standen darüber hinaus topisches Methylprednisolonaceponat, Feuchtigkeitscreme sowie ein orales Antihistaminikum zur Symptomkontrolle zur Verfügung. Außerdem ernährten sich alle Teilnehmer mit qualitativ hochwertiger Mittelmeerkost.

Ausgeschlossen wurden Patienten, die in den vorangegangenen drei Monaten systemische Immunsuppressiva eingenommen hatten oder in den zwei Wochen vor Studienbeginn antibiotisch behandelt worden waren sowie Personen, die gleichzeitig eine Gluten- oder Lactoseintoleranz oder Hinweise auf bakterielle Infektionen erkennen ließen. Der Erfolg der Probiotikaeinnahme wurde alle vier Wochen mit dem SCORAD-(Scoring Atopic Dermatitis-)Index-Score bewertet. Außerdem wurde zweiwöchentlich festgehalten, wie häufig wegen einer Verschlechterung des Hautbildes an drei aufeinanderfolgenden Tagen topische Steroide zum Einsatz kamen.

Hautzustand verbessert

Nach zwölf Wochen hatte sich bei 96 Prozent der Teilnehmer der Probiotikagruppe und bei 46 Prozent der Kontrollpersonen der SCORAD-Index verbessert. In der Probiotikagruppe lag der Index für den Schweregrad insgesamt um 19,2 Punkte höher als in der Kontrollgruppe. Dies entsprach einer relativen Verbesserung um 83 Prozent unter Probiotika und um 24 Prozent unter Placebo. Sichtbar wurden die Erfolge beim Gesamt-SCORAD, bei der Intensität sowie beim Ausmaß der Neurodermitis.

Keine Unterschiede ergaben sich dagegen bei den subjektiv empfundenen Symptomen. Diese reduzierten sich in der Probiotikagruppe zwar um 77 Prozent, aber auch um 53 Prozent in der Placebogruppe. Die Autoren vermuten dahinter einen entsprechend höheren Kortikoidverbrauch unter Placebo. Eine Therapieantwort (IGA, Investigator Global Assessment < 2) zeigte sich bei 91 Prozent der Verumgruppe versus 21 Prozent unter Placebo. In der Probiotikagruppe kamen an signifikant weniger Tagen topische Steroide zum Einsatz, um aufflammende Ekzeme zu bändigen (an 161/2084 Patiententagen (7,7 Prozent) vs. 220/2032 (10,8 Prozent)).

Vicente Navarro-López und Kollegen gehen aufgrund ihrer Ergebnisse davon aus, dass die hier verwendete Probiotikamischung eine Möglichkeit sein könnte, die Therapie einer moderaten atopischen Dermatitis bei Kindern zu unterstützen und damit den Kortisonverbrauch zu senken. Das klinische Ansprechen sei stärker als in früheren placebokontrollierten Studien mit anderen Probiotikastämmen gewesen, so die Autoren. Außerdem habe sich im SCORAD-Index gegenüber der Placebogruppe bei zwei von drei Komponenten eine deutliche Verbesserung ergeben.

Ergebnisse einer spanischen Studie

- Nach 12 Wochen hatte sich bei 96 Prozent der Teilnehmer der Probiotikagruppe und bei 46 Prozent der Kontrollpersonen der SCORAD-Index als Maß für den Schweregrad der Neurodermitis verbessert.

- Dies entsprach einer relativen Verbesserung um 83 Prozent unter Probiotika und um 24 Prozent unter Placebo.

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