Ärzte Zeitung online, 10.01.2018

Psoriasis-Patienten

Kein höheres Zoster-Risiko unter systemischer Therapie

Patienten mit mäßig bis schwer ausgeprägter Psoriasis müssen nicht befürchten, unter einer systemischen Therapie häufiger an Herpes zoster zu erkranken. Das gilt speziell für eine Behandlung mit Biologika.

Von Robert Bublak

Kein höheres Zoster-Risiko unter systemischer Therapie

Patient mit Herpes zoster im Brustbereich.

© phadungsakphoto/stock.adobe.com

BOSTON / MASSACHUSETTS. Die Gefahr, dass schlummernde Varizella-Zoster-Viren zu neuer Aktivität erwachen, steigt in dem Maße, wie die Abwehrfähigkeit des Immunsystems abnimmt. Beispielsweise wird die Abwehr mit zunehmendem Alter schwächer. Aber auch eine immunsuppressive Medikation kann prinzipiell das Zosterrisiko erhöhen.

Solche Medikamente werden etwa in der Therapie von Patienten mit mäßiger bis schwerer Psoriasis eingesetzt. Ein Forscherteam, angeführt von der Dermatologin Katherine Levandoski von der Harvard Medical School in Boston, hat nun anhand der Daten von knapp 6000 systemisch behandelten Psoriasis-Patienten und ungefähr ebenso vielen Patienten ohne Systemtherapie untersucht, wie sich die interne Behandlung auf das Zosterrisiko auswirkt (JAMA Dermatol 2017; online 20. Dezember).

Keine signifikante Differenz

Die Inzidenzrate für Patienten ohne systemische Medikation lag bei 8,6/1000 Personenjahre. Für Patienten mit systemischer Behandlung ergab sich eine Inzidenz von 10,2/1000 Personenjahre – eine statistisch nicht signifikante Differenz.

Es spielte dabei auch keine Rolle, ob Biologika (hier: Adalimumab, Etanercept, Infliximab, Ustekinumab, Golimumab, Certolizumab, Tocilizumab, Abatacept, Anakinra und Rituximab), nichtbiologische Medikamente (hier: Methotrexat, Retinoide, Cyclosporin, Hydroxyurea, Mycophenolat-Mofetil, Sulfasalazin und Tioguanin) oder Kombinationstherapien eingesetzt wurden. Die Inzidenzraten pendelten jeweils zwischen 10,1 und 10,3/1000 Personenjahre.

Vergleich mit Allgemeinpopulation

Damit lag die Zosterinzidenz der Patienten mit mäßiger bis schwerer Psoriasis zwar höher als in der ansonsten gesunden Allgemeinpopulation (Angaben USA: 1,2–3,4/1000 Personenjahre; Deutschland: 5,8/1000 Personenjahre). Ein Einfluss der Therapie und speziell der Therapie mit Biologika war aber nicht festzustellen.

Im Gegensatz dazu waren in früheren Untersuchungen gehäufte bakterielle und Weichteilinfektionen unter einer Psoriasis-Therapie mit Biologika beobachtet worden. Levandoski und seine Kollegen vermuten daher, "dass Biologika bei systemisch behandelten Patienten mit Psoriasis solche Immunmechanismen hemmen, die für die Abwehr von Bakterien spezifisch sind".

Die zellvermittelte Immunantwort, die ruhende Varizella-ZosterViren in Schach halte, werde hingegen geschont, so die Studienautoren.

10,2 pro 1000 Personenjahre betrug die Herpes zoster-Inzidenz bei Psoriasis-Patienten mit systemischer Behandlung. Für Patienten ohne systemische Medikation lag sie bei 8,6/1000 Personenjahre – eine nicht signifikante Differenz.

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