Ärzte Zeitung online, 04.04.2018

Acne inversa

Haartalgdrüsen-Erkrankung bleibt oft unerkannt

Die Therapie von Patienten mit Acne inversa ist langwierig und schwierig. Wichtig ist die Aufklärung über notwendige Allgemeinmaßnahmen. Hier gilt es vor allem Triggerfaktoren auszuschalten.

Von Beate Fessler

Acne inversa nicht übersehen!

Acne inversa tritt vorwiegend im jungen Erwachsenenalter auf.

© BSIP SA / Alamy / mauritius i

DÜSSELDORF. Submammär, genital, perianal: Das sind die bevorzugten Manifestationsorte der Acne inversa. Bis die richtige Diagnose gestellt wird, vergehen oft Jahre.

Triggerfaktoren

Mechanische Reibung

Hitze und Feuchtigkeit

Rauchen

Übergewicht

Nassrasur

hormonelle Dysbalance

verändertes Immunsystem

Das sollte nicht so sein, denn die Morbidität ist signifikant und der Leidensdruck ist hoch, erinnerte Professor Eggert Stockfleth aus Bochum beim diesjährigen FOKO Fortbildungskongress der Frauenärztlichen BundesAkademie.

Nicht 80.000, sondern 800.000 Menschen leiden in Deutschland unter einer Acne inversa, auch als Hydradenitis suppurativa bezeichnet. Sie gehört, so Stockfleth, zu den unterschätzten dermatologischen Krankheitsbildern, die mit einer deutlichen Reduktion der Lebensqualität einhergeht.

Konkret handelt es sich um eine chronisch rezidivierende entzündliche Erkrankung des Haartalgdrüsen-Apparates, die sich mit kutanen und subkutanen Knötchen, Abszessen, Fistelgängen und Narben an typischen Lokalisationsorten manifestiert.

Pathogenese unklar

Betroffen sind sowohl Männer als auch Frauen, vorwiegend im jungen Erwachsenenalter. Wird nicht behandelt, nimmt die Krankheit einen chronisch entzündlichen Verlauf.

Im Mittel dauert es 8,2 Jahre bis die richtige Diagnose gestellt ist. Die Pathogenese ist unklar. Triggerfaktoren sind aber bekannt, darunter mechanische Reibung, Hitze und Feuchtigkeit, Rauchen, Übergewicht, Nassrasur, hormonelle Dysbalance oder auch ein verändertes Immunsystem.

Die Therapie – operativ oder konservativ – richtet sich nach Stadium und Schweregrad der Erkrankung. Als optimal bezeichnete Stockfleth ein multimodales, individuell angepasstes und ganzheitliches Konzept. Doch so einfach ist das nicht. Die aktuelle Datenlage erschwert allgemeingültige Therapieempfehlungen.

Häufige Rezidive

Die Therapien sind langwierig und schwierig, Rezidive nach konservativer Therapie häufig. Wichtig ist die Aufklärung des Patienten, sowohl über das Krankheitsbild als auch über notwendige Allgemeinmaßnahmen. Hier gilt es vor allem Triggerfaktoren auszuschalten. Der Patient sollte unter anderem aufhören zu Rauchen und gegebenenfalls Gewicht reduzieren.

Ebenfalls empfehlenswert: Betroffene Areale durch das Einlegen von Leinenläppchen trocken halten, weite Kleidung, tragen, auf Nassrasur verzichten, konsequente Körperhygiene und tägliches Desinfizieren der betroffenen Areale.

Liegt eine ausgeprägte Inflammation vor, sollte wegen drohender Gewebeschäden (auch) systemisch behandelt werden. Für das frühe Stadium kann orales Zink-Gluconat in Kombination mit topischem Triclosan eingesetzt werden. Einer retrospektiven Analyse zufolge kam es nach drei Monaten zu einer signifikanten Verbesserung.

Eine weitere Option ist die antibiotische Therapie. Eingesetzt wird Clindamycin in Kombination mit Rifampicin, bei Unverträglichkeit von Clindamycin auch Minozyklin. Die Therapiedauer liegt zwischen einem und drei Monaten.

Für die aktive mittelschwere bis schwere Acne inversa ist auch das Biologikum Adalimumab zugelassen. Bei ausgeprägten Fisteln und Abszessen sowie bei Verdacht auf Malignität besteht die Indikation zur operativen Therapie.

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