Ärzte Zeitung online, 05.07.2018

Cochrane-Review-Update

Was ist der beste Schutz vor berufsbedingtem Handekzem?

Feuchtigkeitscremes haben allein oder in Kombination mit Schutzcremes möglicherweise einen klinisch relevanten Effekt zur Prävention eines beruflich bedingten Handekzems. Allerdings muss die Evidenz insgesamt als niedrig eingestuft werden.

Von Christine Starostzik

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Handekzeme sind belastend für Patienten. Präventive Maßnahmen gegen eine daraus resultierende Berufsunfähigkeit hat eine Studie nun untersucht.

© injenerker / Fotolia

DRESDEN. Ein beruflich bedingtes irritatives Handekzem (occupational irritant hand dermatitis, OIHD) beeinflusst nicht nur die Lebensqualität der betroffenen Patienten, es kann mitunter bis hin zur Berufsunfähigkeit führen. Verschiedene Schutzmaßnahmen sind bekannt, doch bislang liegen keine nachvollziehbaren Empfehlungen zu deren Wirksamkeit vor.

In einem Cochrane-Review-Update haben Andrea Bauer von der Technischen Universität Dresden und Kollegen jetzt 1851 Publikationen bis Januar 2018 gesichtet und letztlich die Ergebnisse aus neun randomisierten kontrollierten Studien mit 2888 hautgesunden Teilnehmern zusammengefasst (Cochrane Database of Systematic Reviews 2018; 4: CD004414).

Unzureichende Datenlage

Untersucht wurde die Wirksamkeit primärer Präventionsmaßnahmen und -strategien, um ein Handekzem bei Personen, die beruflich möglicherweise hautschädigenden Bedingungen ausgesetzt waren, zu verhindern. Im Rahmen der Untersuchungen waren die Wirksamkeit von Hautschutzcreme und/oder Feuchtigkeitscreme (6 Studien, 1533 Teilnehmer) oder Schulungsmaßnahmen (3 Studien, 1355 Teilnehmer) jeweils mit einer Kontrollgruppe (Personen ohne Präventionsmaßnahmen) verglichen worden.

Unter den Studienteilnehmern waren Metallarbeiter, die Kühlschmierstoffen ausgesetzt sind, Färber, Drucker, Schlachthofarbeiter, Reinigungs- und Küchenkräfte, Krankenpflege- und Klinikpersonal sowie Friseure in Ausbildung.

In der Summe halten Bauer und Kollegen die in den analysierten Studien geschilderten Effekte allerdings für zu wenig eindeutig, um eine Empfehlung für eine der Interventionen abgeben zu können. So entwickelten etwa 29 Prozent derjenigen Studienteilnehmer, die eine Hautschutzcreme verwendeten, Symptome eines Handekzems im Vergleich zu 33 Prozent der Teilnehmer in der Kontrollgruppe.

Daraus ergibt sich lediglich eine geringe Risikoreduktion mit schwacher Evidenz für die Wirksamkeit. Das ist klinisch möglicherweise unerheblich.

Kombitherapie untersucht

Feuchtigkeitscremes könnten der Studienanalyse zufolge eventuell einen gewissen Schutzeffekt bieten: Während es in der Interventionsgruppe bei 13 Prozent der Studienteilnehmer zu Symptomen eines beruflich bedingten irritativen Handekzems kam, waren es in der Kontrollgruppe 19 Prozent. Dies entspricht zwar einer relativen Risikoreduktion von 29 Prozent, aber auch dieser Unterschied verfehlte das erforderliche Signifikanzniveau knapp.

Ebenfalls denkbar, so Bauer und Kollegen, sei ein protektiver Effekt mit klinischer Relevanz durch die Verwendung einer Kombination aus Hautschutz- und Feuchtigkeitscreme (Symptome eines beruflich bedingten irritativen Handekzems: 8 Prozent versus 13 Prozent).

Allerdings war auch hier der relative Unterschied von 32 Prozent Risikoreduktion nicht signifikant und das Ergebnis von geringer Evidenz. Gleiches gilt für Schulungen zum Hautschutz (relative Risikoreduktion 24 Prozent; nicht signifikant, Evidenz sehr geringer Qualität).

Unsiche Datenlage

Die bislang unsichere Datenlage bedeute nicht zwingend, dass die derzeit angewandten Maßnahmen wirkungslos seien, so die Schlussfolgerung von Bauer und Kollegen aus den Ergebnissen ihrer Analyse. Um die Effektivität der in Studien angewandten verschiedenen Maßnahmen aber sicher miteinander vergleichen und Empfehlungen höherer Evidenz abgeben zu können, bedürfe es standardisierter Methoden zur Diagnose des beruflich bedingten irritativen Handekzems.

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