Ärzte Zeitung online, 19.10.2018

Neues Strahlenschutzgesetz

Tattoo-Bereuer könnten Ärztepraxen lahmlegen

Das Bundesamt für Strahlenschutz drängt darauf, dass bald nur Ärzte Tattoos entfernen dürfen. CDU-Gesundheitspolitiker Alexander Krauß befürchtet, dass die Reform die Hautarztpraxen völlig überlastet.

ajo1_8156904-A.jpg

Nur Fachärzte sollen künftig Tattoos entfernen dürfen. Laut einer Umfrage des BfS haben bereits 83 Prozent der Tattoo-Entferner ihr Motiv beim Facharzt entfernt.

© ibreakstock / stock.adobe.com

BERLIN/SALZGITTER. Das Entfernen von Tätowierungen mit Hilfe von Laser sollte schnellstmöglich nur noch ärztlichem Personal erlaubt sein, so das Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS). Behördenpräsidentin Inge Paulini forderte in der "Augsburger Allgemeinen" die Bundesländer auf, einer entsprechenden Verschärfung der Strahlenschutzverordnung am Freitag im Bundesrat zuzustimmen. Demnach sollen in Zukunft allein Hautärzte derartige Laserbehandlungen durchführen dürfen. Bislang dürfen das auch Kosmetiker, Heilpraktiker oder Tätowierer anbieten.

"Der Einsatz von Lasern ist immer mit Risiken verbunden", sagte Paulini der Zeitung und verwies auf eine Studie ihrer Behörde, wonach bei knapp einem Fünftel der Behandlungen bleibende Nebenwirkungen aufgetreten seien. "Dabei drohen im schlimmsten Fall Verbrennungen, Pigmentstörungen oder Narben", schilderte die Bundesamtschefin. "Außerdem muss vor einer Behandlung ausgeschlossen sein, dass die Haut bereits geschädigt ist und vielleicht schwarzer oder weißer Hautkrebs vorliegt", sagte die Strahlenschützerin. "Das kann nur ein Facharzt beurteilen."

In der Politik gibt es auch Kritik an den Reformplänen. So hatte CDU-Gesundheitspolitiker Alexander Krauß im vergangenen Monat vor einer Überlastung der Mediziner gewarnt. "Von heute auf morgen müssten wir dadurch die Zahl der Hautärzte um die Hälfte erhöhen", hatte Krauß mit Blick auf die mögliche Verschärfung vorhergesagt. Ein Hautarzt müsste demnach 22 Wochen im Jahr durchgängig Tätowierungen entfernen, um der geplanten Verordnung gerecht zu werden. (dpa)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[20.10.2018, 08:05:27]
Dr. Karlheinz Bayer 
ist das eine Phantomdiskussion?
in beinahe 40 Jahren Tätigkeit als Arzt habe ich genau dreimal eine Anfrage gehabt, man möge ein Tattoo entfernen. Gesehen habe ich Tausende von Tattoos, und ich selbst bin auch tätowiert. Es ist zwar ein ewiges Geschrei darum, daß Tattoos ungesund seien, daß ganze Legionen von Menschen wüpnschen, nie an die (Tattoo)nadel geraten zu sein, aber das Tätowieren hat bedeutend zugenommen, nicht nur im Rotlichtmilieu und bei den Hells Angels.
Und ob letztere sich für eine Laserung wirklich zum Hautarzt begeben würden?
Wenn ich das Tattoo auf dem Kiez gekriegt habe, werde ich sicher auch dort nachfragen, ob man es ändern, verschönern oder entfernen lassen kann. zum Beitrag »
[19.10.2018, 14:52:18]
Dirk Bürger 
Sind doch Selbstzahlerleistungen oder gilt § 52 SGB V nicht mehr?
Sofern sich der Behandlungsbedarf aus einer nicht indizierten ästhetischen Operation, einer Tätowierung oder einem Piercing ergibt, hat die Krankenkasse nach § 52 Abs. 2 des Fünften Sozialgesetzbuchs (SGB V) den Versicherten in angemessener Höhe an den Kosten zu beteiligen. Hat sich also das Risiko einer Komplikation in Form einer Infektion oder Entzündung nach einem Piercing realisiert, muss der Arzt der gesetzlichen Krankenkasse dies melden – § 294a Abs. 2 SGB V sieht dies ausdrücklich vor.
Also keine Kassenleistung, sondern Selbstzahler und die sind doch üblicherweise hoch willkommen, oder? zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So hoch ist die Lebenserwartung in der Welt

Wer als Junge in Deutschland geboren wird, darf sich im Schnitt auf 78 Jahre freuen. Wie hoch ist die Lebenserwartung in anderen Ländern der Welt? Wir geben die Antwort. mehr »

Pflege-Eigenanteil deckeln!

16:41Viele Bürger beklagen, dass Pflegeheime teuer sind, berichtet die DAK in ihrem Pflegereport. Kassenchef Storm schlägt nun vor, den Eigenanteil zu beschränken. Das entflammt eine neue Debatte über die Pflege-Finanzierung. mehr »

Der Gesundheitsminister will das E-Rezept

Krankenkassen, Ärzte und Apothekerschaft sollen in ihren Rahmenverträgen das elektronische Rezept ermöglichen. Eine gesetzliche Verpflichtung soll bis 2020 stehen. mehr »