Ärzte Zeitung online, 12.12.2018

Tazaroten vs Dermaroller

Bei atrophen Aknenarben hilft Gel so gut Microneedling

Der Schweregrad atropher Aknenarben war sechs Monate nach der Behandlung mit topischem Tazaroten-Gel bei guter Verträglichkeit in gleichem Maße verbessert wie nach Microneedling, so eine Studie.

Von Christine Starostzik

Bei atrophen Aknenarben Gel statt Microneedling?

Gel könnte bei Akne so gut wie Dermawoller wirken.

© Djero Adlibeshe / stock.adobe.com

Das Wichtigste in Kürze

  • Frage: Können atrophe Aknenarben wirksam mit einem topischen Tazaroten-Gel behandelt werden?
  • Antwort: Sechs Monate nach Behandlungsbeginn waren Wirksamkeit und Verträglichkeit vergleichbar mit dem Microneedling.
  • Bedeutung: Tazaroten-Gel kann den Autoren zufolge als neuer Therapieansatz zur Behandlung atropher Aknenarben gesehen werden.

CHANDIGARH. Zur Behandlung von Patienten mit atrophen Narben nach schwerer Akne hat sich unter anderem das Microneedling bewährt. Um eine Methode zu testen, die den Patienten die Eigenbehandlung zu Hause erlaubt, haben Dr. T. P. Afra vom Postgraduate Institute of Medical Education and Research in Chandigarh und Kollegen die Wirksamkeit der Nadeltechnik mit einem topischen 0,1%igen Tazaroten-Gel verglichen (JAMA Facial Plast Surg 2018; online 15. November).

In die prospektive Studie an einer indischen Klinik der Tertiärversorgung wurden 36 Patienten mit atrophen Aknenarben im Gesicht der Stadien 2–4 aufgenommen.

Wirkung auf die Fibroblasten

Berücksichtigt wurden nur Personen, die sich im vergangenen Jahr keiner chirurgischen oder Lasertherapie der Narben unterzogen hatten. Eine Gesichtshälfte wurde randomisiert jeweils mit einem Dermaroller (Nadellänge 1,5 mm; viermal innerhalb von drei Monaten), die andere über den gleichen Zeitraum mit Tazaroten-Gel (einmal täglich) behandelt, das die Patienten selbst auftrugen. Das topische Retinoid regt durch seine Wirkung auf die Fibroblasten die Kollagenbildung der Haut an.

Nach drei und sechs Monaten wurde das Ergebnis mit der Ausgangssituation verglichen, wobei die Untersucher keine Kenntnis über die jeweilige Behandlungsart hatten. Zur Bewertung des Schweregrades der Narben dienten quantitative (Art und Anzahl) und qualitative Scores (Sichtbarkeit) nach Goodman und Baron sowie ein unabhängiger dermatologischer Score (0–10 Punkte) auf der Grundlage der Fotodokumentation.

Darüber hinaus wurde die Patientenzufriedenheit mit dem Patient Global Assessment Score (PGA, 0–10 Punkte) erfasst. Die 34 Patienten, von denen am Studienende ein vollständiger Datensatz vorlag, waren im Durchschnitt 23 Jahre alt und litten seit vier bis acht Jahren unter Akne.

Signifikante Senkung

Bei 91,2 Prozent der Studienteilnehmer beider Gruppen hatte sich der quantitative Aknenarben-Score durch die jeweilige Behandlung verbessert. Sechs Monate nach Behandlungsbeginn war er für die Gesichtshälften, die mit Microneedling behandelt worden waren, von durchschnittlich 7,0 auf 4,5 Punkte und in der Tazaroten-Gruppe von 8,0 auf 5,0 Scorepunkte signifikant gesunken. Damit war die Wirksamkeit des Retinoidgels mit der des Microneedlings vergleichbar.

Auch die verblindete Beurteilung der Endergebnisse durch unabhängige Dermatologen per Fotovergleich signalisierte ähnliche Erfolge beider Methoden (Microneedling 5,5 versus Tazaroten 4,4). Die Patienten bewerteten mittels Patient Global Assessment Score das Microneedling etwas besser. Die qualitativen Bewertungen dagegen änderten sich nach keiner der beiden Behandlungsformen signifikant.

Es traten in beiden Behandlungsgruppen nur geringgradige unerwünschte Wirkungen auf. Beim Microneedling kam es zu Schmerzen und Rötungen, die Tazaroten-Therapie verursachte bei etwa einem Drittel der Patienten Trockenheit und bei etwa jedem fünften Patienten schuppte sich die Haut. Alle unerwünschten Wirkungen konnten jedoch unter Kontrolle gebracht werden und keiner der Patienten beendete deshalb die Therapie, wie die indischen Autoren berichten.

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