Ärzte Zeitung online, 29.04.2019

Kasuistik

Vermeintlicher Herpes zoster war Schistosomiasis

Von Angelika Bauer-Delto

MAINZ. Wie schwierig es sein kann, einen Befall mit exotischen Parasiten zu erkennen, zeigt der Fall eines 45-jährigen Patienten, der seit 13 Jahren in Ghana lebt (hautnah dermatologie 2019; 35(1):50). Seit einigen Wochen bestanden rötliche Papeln und Plaques im Dammbereich, die mit Juckreiz und Brennen einhergingen. Zudem traten seit einigen Tagen Sensibilitäts- und Bewegungsstörungen der Beine auf.

Aufgrund des streng einseitigen Hautbefundes wurde als (Fehl-)Diagnose Herpes zoster gestellt und nach stationärer Aufnahme mit Aciclovir intravenös behandelt. Es kam jedoch zu einer progredienten neurologischen Symptomatik der Beine mit Kribbelparästhesien und linksbetonter Paraparese, der Patellar- und der Achillessehnenreflex waren nicht auslösbar.

Im CT zeigten sich entzündliche Veränderungen der Harnblasenwand, im MRT eine überwiegend thorakolumbale Myelitis. Im Liquor war eine lymphozytäre Pleozytose mit Proteinerhöhung auffällig. Sowohl Erreger- als auch Antikörpernachweise waren negativ. Aufgrund eines deutlich erhöhten IgE-Spiegels und einer Eosinophilie ergab sich der Verdacht einer Parasitose. Anamnestisch wurde über ein Bad in einem stehenden Gewässer in Ghana berichtet.

Behandlung recht zügig verlaufen

Im Urinsediment wurden schließlich Schistosomeneier gefunden, die Hautproben bestätigten die Diagnose: Bei dem Patienten lag eine Bilharziose durch die Pärchenegel Schistosoma mansoni und Schistosoma haematobium mit Beteiligung von Urogenitaltrakt und ZNS vor.

Die Therapie sei mit Praziquantel über drei Tage relativ einfach, erinnerte Professor Martin Schaller, Universitäts-Hautklinik Tübingen, beim 12. Dermatologie-Update-Seminar in Mainz. Aufgrund der neurologischen Symptomatik erhielt der Patient außerdem Methylprednisolon. Nach sechs, zwölf und 24 Monaten sind Kontrolluntersuchungen angezeigt.

Aufgrund der unspezifischen Symptomatik in verschiedenen Organen wie Dickdarm, Rektum oder Harnblase, wird eine Schistosomiasis häufig jahrelang nicht erkannt. Kutane Knoten und Plaques entstehen in der Regel erst sekundär durch hämatogene Dissemination mit Embolisation kutaner Gefäße.

Nach Baden in Süßwassergewässern in Endemiegebieten vor allem in Afrika oder wenn ein Mitreisender erkrankt ist, sollte ein Screening auf Schistosomen durchgeführt werden, empfahl Schaller.

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