Ärztliche Allgemeine, 07.11.2005

Sicheres Reisen für Herzpatienten

Den meisten Herzkranken muß nicht von einer Reise abgeraten werden. Grundsätzlich sind sogar Flugfernreisen für viele Herzpatienten möglich. Voraussetzung ist, daß die Krankheit stabil ist und die Patienten gut behandelt sind. Dies klären Untersuchungen vor der Reise, und eine adäquate Medikation gehört selbstverständlich dazu.

Vorfreude auf ein schönes Erlebnis trotz Herzkrankheit. Foto: Imago

Herzpatienten können grundsätzlich reisen, wenn ihre körperliche Leistungsfähigkeit nicht wesentlich eingeschränkt ist. Eine körperliche Leistung von 100 Watt sollte nach den Empfehlungen der Deutschen Herzstiftung problemlos möglich sein.

Ab wann können Patienten nach einem Eingriff reisen?

Als Regel gilt: Drei Wochen nach einer Koronardilatation, drei Wochen nach Einsetzen eines Herzschrittmachers, drei Monate nach einem Herzinfarkt, drei Monate nach einer Herzoperation, drei Wochen nach dem Einsetzen eines Defibrillators können Patienten auf Reisen gehen.

Was gehört zu den Reisevorbereitungen?

Herzpatienten sollten drei Wochen vor der Reise untersucht werden, damit noch einmal die Stabilität der Erkrankung überprüft werden und die Medikation eventuell geändert werden kann. Die Patienten bekommen dann auch ihren Op- oder Dilatationsbericht sowie eine Kopie für das Handgepäck.

Je nach Art der Erkrankung eines Patienten sind besondere Vorbereitungen nötig.

Check für Patienten mit KHK

Hier ist ein Belastungs-EKG nötig; 100 Watt sollten problemlos geschafft werden.

Herzklappen-Patienten vor der Reise

Bei Herzklappen-Patienten, die eine Antikoagulation erhalten, sollte der INR-Wert überprüft werden. Die Patienten brauchen ein Merkblatt zur Endokarditis-Prophylaxe, denn es könnte zum Beispiel eine Zahnbehandlung während des Aufenthaltes im Urlaub nötig werden. Vorteilhaft ist auf Reisen, wenn Herzklappen-Patienten selbst ihren Gerinnungswert bestimmen können.

Hilfe für Patienten mit Schrittmacher

Der Schrittmacher sollte vor der Reise kontrolliert werden.

Grundsätzlich gilt: Patienten mit erhöhtem Thromboserisiko sollten bei Langstreckenflügen über die Notwendigkeit von Stützstrümpfen und Heparinspritzen beraten werden. Am Zielort sollten Patienten Extremsituationen meiden, etwa eine Höhe über 2000 Meter oder extreme Hitze oder Kälte. Patienten mit geringer Leistungsfähigkeit unter 100 Watt, wiederholtem Schwindel oder Synkopen in der Anamnese sollten nicht auf Reisen gehen. (Rö)

Informationen der Deutschen Herzstiftung

Zur Vorbereitung und Planung der Reise und zur Beratung der Patienten vor der Reise bietet die Deutsche Herzstiftung Informationsmaterial. So gibt es eine Liste von Rehabilitations-Kliniken, die für Herzpatienten Gesundheitsurlaub in Deutschland bieten. Außerdem gibt es bei der Deutschen Herzstiftung ein Verzeichnis für ärztlich begleitete Reisen.

Auch zur eventuellen Hilfe unterwegs bietet die Herzstiftung Informationsmaterial. Dazu gehören die Broschüre "Reisetips für Herzkranke", ein Notfallausweis für Herzpatienten sowie ein Sprachführer für Herzkranke in fünf Sprachen. Das Infomaterial gibt es bei: Deutsche Herzstiftung e. V., Vogtstraße 50, 60322 Frankfurt am Main, Tel.: 0 69 / 95 51 28-117.

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