Forschung und Praxis, 22.05.2006

Mit Training lassen sich vasovagale Synkopen häufig verhindern

Sehr häufig kommen sie nicht vor, aber wenn sie einen Menschen treffen, ist es für ihn nicht nur unangenehm, sondern es kann, je nach Situation, sogar für ihn und andere gefährlich werden. Etwa beim Autofahren: Vasovagale Synkopen - plötzliche Ohnmachten, kurze Bewußtseinsstörungen oder Schwächezustände, die zum Beispiel mit zu niedrigem Blutdruck einhergehen.

Eine für jeden Betroffenen praktizierbare Methode zur Vorbeugung haben Forscher an der Universität Amsterdam mit einer Studie überprüft. Die Methode nennen sie Physical Counterpressure Maneuvre (PCM), was soviel heißt wie körperliche Gegendruck-Übungen. Ihrer Studie gaben sie den Namen PC-Trial.

Die PCM-Übungen sind einfach. Wann immer man spürt, daß eine vasovagale Synkope bevorsteht, sollte man die Beine überkreuzen und die Muskeln anspannen oder die Armmuskeln anspannen oder beide Hände verhaken und auseinanderziehen. Muskelübungen, die an isometrisches Training erinnern. Die Folge sollte sein, daß der Blutdruck steigt.

Da es nichts Besseres gibt, ist PCM erste Wahl

Ob damit im Alltag vasovagale Synkopen zu verhindern sind, haben die Holländer mit 223 Patienten im Alter zwischen 16 und 70 Jahren überprüft, die unter wiederkehrenden Synkopen leiden und vorausgehende Symptome spüren. Die Patienten wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Alle Patienten wurden über Synkopen aufgeklärt, und es wurden Ratschläge für eine Änderung des Lebensstils gegeben. In einer Gruppe jedoch wurden den Patienten zusätzlich PCM-Übungen beigebracht.

Ergebnis nach 14 Monaten Beobachtungszeit: Ohne Training hatten 50,9 Prozent der Patienten Synkopen gehabt, in der Trainingsgruppe lag der Prozentsatz bei nur 31,6 Prozent - ein statistisch signifikanter Unterschied.

Schlußfolgerung von Nynke van Dijk, einer Epidemiologin von der Universität Amsterdam, die den PC-Trial in Atlanta vorgestellt hat: Da es bisher nichts Besseres gibt, sollte PCM die First-Line-Therapie sein. (HR)

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