Ärzte Zeitung, 19.09.2006

Therapie mit einem Betablocker vor Gefäß-Op empfohlen

Bei Behandlung mit Bisoprolol kann auf kardialen Streßtest vor großen Gefäß-Op verzichtet werden / Wartezeit bis zum Eingriff verkürzt sich

BARCELONA (Rö). Bei Patienten kann vor einer geplanten großen Gefäßoperation auf einen kardialen Streßtest zur Erkennung eines erhöhten kardialen Risikos verzichtet werden. Das gilt für Patienten, die mit dem Betablocker Bisoprolol behandelt werden.

Schließen läßt sich das aus den Ergebnissen der DECREASE*-II-Studie. Die Resultate sind kürzlich beim Welt-Herz-Kongreß in Barcelona bei einem Symposium des Unternehmens Merck KGaA, Anbieter von Bisoprolol als Concor®, vorgestellt worden.

Wie Professor Don Poldermans von der Universität Rotterdam in Barcelona berichtet hat, wurden für die DECREASE-II-Studie 770 Patienten ausgewählt, die für eine Gefäß-Operation vorgesehen waren. Alle hatten ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko mit einem oder zwei kardiovaskulären Risikofaktoren. Für solche Patienten ist nach den Leitlinien der American Heart Association ein kardialer Streßtest vor der Operation vorgesehen. Dadurch kann sich die Operation erheblich verzögern.

Die Hälfte der für die Studie ausgewählten Patienten wurde vor der Operation mit einem kardialen Streßtest, also Dobutamin-Echokardiographie oder Dobutamin-Echo-szintigraphie untersucht, die andere Hälfte nicht. Alle Patienten in der Studie erhielten Bisoprolol, um das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse zu reduzieren.

Den primären kombinierten Studienendpunkt nach 30 Tagen, Tod aus kardialer Ursache oder Herzinfarkt, erreichten gleich viele getestete (2,3 Prozent) und nicht-getestete Patienten (1,8 Prozent). Dieser Unterschied war statistisch nicht signifikant. Die Nicht-Getesteten wurden allerdings im Mittel drei Wochen früher operiert. Unabhängig von der eingeschlagenen Strategie, mit Test oder ohne Test, hatten die Patienten mit einem Puls unter 65 pro Minute die beste Prognose.

In einer früheren Studie zur präoperativen Bisoprolol-Therapie, der DECREASE I, hatte sich schon gezeigt, daß bei perioperativer Therapie mit Bisoprolol die Rate kardiovaskulärer Todesfälle oder nichttödlicher Herzinfarkte bei Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko auf ein Zehntel reduziert worden war.

*Dutch Echocardiographic Cardiac
Risk Evaluation Applying Stress Echocardiography Study

Die Website der American Heart Association: www.americanheart.org

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

30 Minuten Bewegung am Tag verhindern jeden 12. Todesfall

Bewegung verlängert das Leben, das bestätigt die bisher größte Studie zum Thema. Und: Bewegung im Alltag reicht dazu schon aus, es muss kein anstrengender Sport sein. mehr »

Welche Gesundheitspolitiker bleiben im Bundestag?

So sehr sich der Bundestag verändert - viele aus der Gesundheitspolitik vertraute Gesichter werden vermutlich wieder im Gesundheitsausschuss arbeiten. Eine Auswahl. mehr »

Merkel beansprucht Führung weiter für sich

Drastische Einbußen, aber immer noch vorn: Die Wähler versetzen der Union einen Kinnhaken. Die große Koalition scheint passé. Auch die Umfrageteilnehmer der "Ärzte Zeitung" hatten bereits im Vorfeld eine neue "GroKo" abgelehnt. mehr »