Ärzte Zeitung, 16.11.2006

KOMMENTAR

Wer viel sieht, muß oft zuviel machen

Von Gabriele Wagner

Immer schnellere Untersuchungen, immer höhere Bildauflösungen, immer mehr Informationen, und das alles nichtinvasiv - die neuen Generationen der CT- und MRT-Geräte machen’s möglich. Ganzkörper-Aufnahmen sind etwa mit einem Doppelröhren-CT in 16 Sekunden erledigt, mit einem auch in Deutschland verfügbarem 3-Tesla-MRT in acht Minuten.

Von den Kosten einmal abgesehen: Liegt es bei solchen geringen Untersuchungszeiten nicht nahe, zumindest Kranke, wenn nicht sogar auch Gesunde, rasch durch solche Geräte zum Ganzkörper-Screening zu schieben? Denn irgendeinen Befund wird man ja sehen.

Und genau das ist das Problem! Was ist mit all den Zufallsbefunden, die bei solchen Ganzkörper-Untersuchungen gefunden werden, zum Beispiel fraglich vergrößerte Mesenterial-Lymphknoten? Sollten sie als mögliche Metastasen eines bislang nicht bekannten Tumors beurteilt werden mit der Konsequenz der forcierten Tumorsuche? Oder sollten Patienten lediglich informiert und dann kontrolliert werden? Und wenn ja, wie häufig? Mit diesen Problemen schlagen sich derzeit weltweit Radiologen herum, die die virtuelle Koloskopie per CT machen und dabei viel mehr sehen als nur den Darm.

In absehbarer Zeit wird es sicher keine generelle Empfehlung zum Ganzkörper-Screening per CT oder MRT für Gesunde geben. Ernsthaft diskutiert wird die Ganzkörper-Untersuchung allerdings bereits etwa für Diabetiker zum Gefäßscreening.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
CT und MRT entlarven kranke Gefäße und eignen sich besonders bei Nieren- oder Beckenarterienstenosen

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »