Ärzte Zeitung, 17.11.2006

Herzschutz durch Folsäure? Nachweis erneut gescheitert

Keine präventive Wirkung in Studie bei über 5000 Frauen

CHICAGO (ob). Erneut ist der Versuch, Schutzeffekte einer Folsäure/B-Vitamin-Behandlung auf Herz und Gefäße unter Beweis zu stellen, ohne Erfolg geblieben: Auch in der großen WAFACS-Studie konnte trotz einer signifikanten Homocystein-Senkung die Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse nicht verringert werden.

Nach drei vorherigen Studien (VISP, NORVIT, HOPE-2) ist WAFACS (Women’s Antioxidant and Folic Acid Cardiovascular Study) die nunmehr vierte große Studie, in der die sogenannte Homocystein-Hypothese nicht verifiziert werden konnte.

Nachdem Epidemiologen eine Assoziation von erhöhten Homocystein-Spiegeln mit dem gehäuften Auftreten von kardiovaskulären Erkrankungen beobachtet hatten, lag die Vermutung nahe, daß sich durch Homocystein-Senkung (mit Folsäure/B-Vitaminen) auch das kardiovaskuläre Risiko verringern lasse.

Mit 7,3 Jahren war die Dauer der Beobachtung relativ lang

Diese Erwartung ist in WAFACS einmal mehr enttäuscht worden. In dieser Studie sind 5442 Frauen (Alter > 40 Jahre), bei denen entweder bereits eine kardiovaskuläre Erkrankung (zwei Drittel) oder zumindest mehrere koronare Risikofaktoren (ein Drittel) dokumentiert waren, täglich entweder mit einem Vitamin-Mix (2,5 mg Folsäure, 50 mg Vitamin B6, 1 mg Vitamin B12) oder Placebo behandelt worden. Mit im Mittel 7,3 Jahren hat WAFACS von allen bisherigen Folsäure-Studien die längste Beobachtungsdauer.

Auf das Ergebnis hatte dies offensichtlich keinen Einfluß. Denn am Ende war die Gesamtzahl der aufgetretenen kardiovaskulären Ereignisse (kardiovaskulärer Tod, Herzinfarkt, Hirninsult, Revaskularisation) mit 402 (Verum) und 390 (Placebo) nahezu gleich, berichtete Studienleiterin Dr. Christine Albert aus Boston beim Kongreß der American Heart Association (AHA) in Chicago. Auch bei exklusiver Betrachtung einzelner Endpunkte wie Myokardinfarkt oder Schlaganfall fanden sich keine relevanten Unterschiede.

Folsäure-Anreicherung ohne Auswirkung auf Homocystein

Geprüft wurde auch, welche Auswirkungen die Ende der 90er Jahre in den USA eingeführte Folsäure-Anreicherung von Mehl auf die Studie gehabt haben könnte. Als Folge dieser Maßnahme kam es in der Placebo-Gruppe zu einem Anstieg der Folsäure-Konzentration, der allerdings deutlich geringer war als in der Verum-Gruppe und ohne Auswirkung auf den Homocystein-Spiegel blieb.

Die Homocystein-Konzentration war in der Gruppe mit Vitamin-Supplementierung am Ende der Studie signifikant um 18 Prozent niedriger als in der Placebo-Gruppe (10,0 versus 12,2 µmol/l) - ohne daß daraus eine präventive Wirkung resultierte.

Studienleiterin Albert vermutet deshalb, daß Hyperhomocysteinämie zwar ein Risikomarker, jedoch kein an der Entwicklung atherosklerotischer Erkrankungen ursächlich beteiligter Risikofaktor ist.

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