Ärzte Zeitung, 29.10.2007
 

Informierte Eltern haben weniger Angst

An der Universität Münster berät ein Team Familien vor der geplanten Herzoperation eines Kindes

MÜNSTER (run). Eltern, die ihr Kind das erste Mal nach einer Herz-Operation sehen, sind oft geschockt. "Manche kollabieren schlicht", so die Erfahrung von Tobias Reiske. Unter Leitung des Kinderkrankenpflegers gibt es daher am Uniklinikum Münster ein Beratungsteam, um Eltern auf die Herz-Op ihres Kindes vorzubereiten.

 Informierte Eltern haben weniger Angst

Tobias Reiske, Leiter der CARD-AG, kümmert sich intensiv um die Patienten in der Kinderkardiologie.

Foto: Uni Münster

"CARD-AG" nennt sich das vierköpfige Team um Reiske, abgeleitet vom englischen Wort für Kardiologie. Es bietet Eltern, deren Kind am Herzen operiert werden soll zum Beispiel an, sie vorher einmal über die Kinderintensivstation zu führen. Die Mitarbeiter zeigen

Fotos anderer Kinder nach der Op und erklären die Versorgung nach dem Eingriff. Bereits seit zehn Jahren wird so versucht, Eltern ein wenig die Angst zu nehmen, wenn sie ihr Kind dann scheinbar hilflos liegen sehen, beatmet und mit vielen Kabeln an Geräten verbunden.

Was vielen Eltern hilft, ist auch ein Gespräch über eine mögliche Taufe der oft nur wenige Tage alten Babys vor der Operation - auch wenn das, was dann ungesagt im Raum steht, allen zu schaffen macht.

"Wir leisten allerdings keine ärztliche Aufklärung", betont Reiske. Aber manche medizinische Information lasse sich in einem solchen Gespräch vertiefen. Die Ärzte unterstützen Reiske bei seiner Arbeit. "Für uns ist die Arbeit der CARD-AG eine wichtige Ergänzung geworden", so Professor Johannes Vogt, Chef der pädiatrischen Kardiologie. Mittlerweile klären Reiske und sein Team auch Kinder über ihre Op auf. Dazu haben sie sich psychologischen Rat eingeholt. Eine Folge der einfühlsamen Information: der Bedarf an Beruhigungsmitteln sinkt bei den Kindern.

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