Ärzte Zeitung online, 01.09.2008

Therapien helfen dicken Kindern beim Abnehmen - und schützen ihr Herz

MÜNCHEN (eb). Dicke Kinder, die gezielt therapeutisch betreut werden, nehmen nicht nur erfolgreich ab. Sie reduzieren auch ihr Risiko, Herz- und Kreislaufkrankheiten zu bekommen. Denn nach einer speziellen Therapie sind Blutdruck- und Blutfettwerte deutlich niedriger als vor der Therapie.

Therapien helfen dicken Kindern beim Abnehmen - und schützen ihr Herz

Und: Stationäre Behandlungen sind noch wirksamer als ambulante. Das sind die wesentlichen Ergebnisse einer Studie aus Deutschland, die Dr. Ulrike Hoffmeister von der Universität Ulm beim Kongress der Europäischen Kardiologengesellschaft (ESC) präsentiert hat ( Abstract P1448).

1,1 Millionen dicke Kinder und Jugendliche gibt es in Deutschland

Diese Ergebnisse sind schon deshalb von Bedeutung, weil immer mehr Kinder und Jugendliche übergewichtig oder sogar krankhaft fettsüchtig (adipös) sind. Erhebungen des Robert-Koch-Instituts zufolge sind 1,1 Millionen Kinder und Jugendliche zwischen drei und 17 Jahren (8,7 Prozent) übergewichtig, weitere 800 000 (6,3 Prozent) leiden an Adipositas.

Als übergewichtig gelten Menschen mit einem Body-Mass-Index (BMI) von 25 bis 30, ein BMI über 30 bedeutet Adipositas. Der BMI berechnet sich folgendermaßen: Körpergewicht in Kilo dividiert durch Körpergröße in Metern zum Quadrat.

Die von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung initiierte Studie untersuchte, wie sich unterschiedliche Behandlungsformen auf den Gesundheitszustand der dicken Kids auswirken. Erhoben wurden die Daten von insgesamt 1916 jungen Menschen zwischen 8 und 16 Jahren.

Therapie macht schlanker und gesünder

Vor der jeweiligen Therapie waren 14 Prozent der jungen Patienten übergewichtig, 49 Prozent adipös und 37 Prozent extrem adipös. Bei 55 Prozent der Untersuchten konnte eine deutliche Reduktion ihres Gewichts erreicht werden. "Kinder, die in stationären Reha-Einrichtungen behandelt wurden, nahmen im Verlauf der Therapie besser ab als in ambulanten Einrichtungen behandelte Patienten", berichtet Hoffmeister. "Übergewichtige Patienten waren erfolgreicher als extrem adipöse Jugendliche."

Aber auch auf die Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die schon junge Übergewichtige ansammeln, wirkten sich die Therapieprogramme positiv aus. Zu Therapiebeginn wurde bei 26 Prozent der Kinder und Jugendlichen Bluthochdruck diagnostiziert, nach Ende der Behandlung waren es nur noch 17 Prozent. Bei 37 Prozent der Kinder und Jugendlichen waren zu Beginn der Behandlung die Blutfettwerte erhöht, nach der Intervention bei 28 Prozent.

"In dieser großen Studie konnten alle Therapiekonzepte kurzfristig Erfolge nachweisen", so Hoffmeister. "In den Nachuntersuchungen werden wir dann auch die Nachhaltigkeit der Effekte beurteilen können."

Deutsche Forscher auf dem ESC-Kongress sehr aktiv

Die von Hoffmeister präsentierte Studie ist eine von insgesamt 484 Arbeiten, die von deutschen Forschern beim Europäischen Kardiologenkongress in München vorgestellt werden. Dass sich die ESC mit ihrem Jahreskongress einmal mehr für den Standort Deutschland entschieden hat, sei auch eine Auszeichnung für die deutsche Kardiologie und für das Engagement der deutschen Herzspezialisten innerhalb der ESC, betonte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), Professor Gerd Heusch aus Essen. "Dieses Engagement drückt sich insbesondere in unserer sehr intensiven wissenschaftlichen Beteiligung an diesem Kongress aus."

Von den insgesamt rund 9670 wissenschaftlichen Arbeiten, die international für eine Präsentation eingereicht wurden, stammten 978 aus Deutschland - das ist der unangefochtene Spitzenplatz. Aber auch bei den wissenschaftlichen Arbeiten, die für die Präsentation ausgewählt wurden, ist die deutsche Kardiologie die Nummer Eins.

Der Kongress der European Society of Cardiology findet vom 30. August bis 3. September in München statt, erwartet werden rund 30.000 Teilnehmer. Der ESC-Kongress ist der größte Medizin-Kongress Europas.

Weitere Berichte vom ESC

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Nutzen Antibiotika bei Dentaleingriffen?

Patienten mit Herzklappen-Ersatz haben nach zahnärztlichen Eingriffen womöglich ein erhöhtes Risiko für infektiöse Endokarditiden. Doch wie groß ist es und schützen Antibiotika? mehr »

"Die Haltung der Kassen ist irrational"

Die Vertragsärzte kauen schwer am schwachen Ergebnis der Honorarverhandlungen für 2018. Es sei fraglich, ob der aktuelle Mechanismus auf Dauer ein geeignetes Preisfindungsinstrument sei, so KBV-Chef Dr. Andreas Gassen. mehr »

Medizin vor Ökonomie - Kodex soll Prioritäten klarmachen

Medizinische Fachgesellschaften treten gegen die Ökonomisierung der Medizin an – mit einem Kodex. mehr »