Ärzte Zeitung online, 02.10.2008
 

Frauen mit Herzleiden haben häufiger Depressionen als Männer

BERLIN (dpa). Depressive Verstimmungen machen Frauen mit Herzleiden mehr zu schaffen als Männern. Das ist ein Ergebnis einer Pilotstudie am Berliner Herzzentrum, die im Bereich der medizinischen Geschlechterforschung unterschiedliche Krankheitsphänomene bei Männern und Frauen untersucht.

Für die Studie wurden rund 1600 Patienten des Herzzentrums im Zusammenhang mit Bypass-Operation nach ihrer Stimmungslage befragt.

Nach Bypass-Operationen liege die Sterblichkeit 50-jähriger Frauen zweieinhalb Mal so hoch wie bei Männern, sagte Professor Vera Regitz-Zagrosek, Direktorin des Berliner Charité-Instituts für Geschlechterforschung. Als einen Grund dafür vermutet sie eine stärkere Neigung der Frauen zu Depressionen, die sich negativ auf die Genesung auswirken könne.

Vor dem Eingriff litten der Untersuchung zufolge rund 15 Prozent der Männer und 30 Prozent der Frauen unter einer depressiven Verstimmung.

Die Stimmungslage ihrer Patienten ermittelten die Wissenschaftler mithilfe eines Fragebogens vier Wochen vor der Op, einen Tag vor dem Eingriff und ein Jahr später. "Anhand des Grades der depressiven Verstimmung ließ sich recht gut voraussagen, wie es Patienten ein Jahr nach der Op ging", sagte die Ärztin. Besonders auffällig sei nach einem Jahr die höhere Zahl von Todesfällen unter Frauen gewesen.

Noch gibt es zur Erklärung für dieses Phänomen nur Vermutungen. So nehmen Mediziner an, dass das Hormon Östrogen bei Frauen mit koronaren Herzerkrankungen mitverantwortlich für eine subjektiv schlechtere Lebensqualität ist. "Frauen leiden spürbar mehr unter ihrer Krankheit als Männer", sagte die Forscherin. Vermutlich habe das Hormon Einfluss auf die Hirnstrukturen und steuere Stimmungen und Emotionen mit.

Damit sich Patientinnen nach der Operation besser erholen, bietet das Herzzentrum ihnen nun einen Psychologen-Service an. Auch Medikamente werden als Stimmungsaufheller verschrieben, um die Überlebensraten von Frauen zu erhöhen.

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