Ärzte Zeitung online, 24.11.2008

Arteriitis temporalis: Hochauflösende Sonografie spart oft diagnostische Op

HAMBURG (nke). Stechende Kopfschmerzen, die durch Kauen oder Schlucken verstärkt werden, deuten vor allem bei älteren Patienten auf eine Gefäßentzündung im Bereich der Kopfarterien hin. Experten können den Verdacht einer Arteriitis temporalis mittels farbkodierter Duplexsonografie bestätigen. Damit lässt sich meist ohne operative Entnahme von Gefäßproben die Diagnose stellen.

Die Arteriitis temporalis (Riesenzellarteriitis) ist eine wichtige Ursache neu auftretender Kopfschmerzen und die häufigste Vaskulitis älterer Menschen. Diese Autoimmunerkrankung tritt meist nach dem 50. Lebensjahr und mit einer Häufigkeit von etwa 1 zu 1000 auf. Wenn dadurch die Durchblutung im Bereich des Sehnervs gestört ist, kann sie schlimmstenfalls zur Erblindung führen.

Typische Symptome sind ein schwerer Kopfschmerz, meist über einer oder beiden Schläfenarterien sowie Kieferschmerzen beim Reden, Kauen oder Schlucken. Das betroffene Gefäß ist häufig, aber nicht immer knötchenförmig verdickt und mitunter auch als geröteter Strang in der Schläfengegend tastbar. Wenn dann noch unklares Fieber sowie erhöhte Entzündungsparameter im Blut nachgewiesen werden, sollte vor allem bei älteren Patienten eine Riesenzellarteriitis erwogen werden. Darauf machte der Berliner Rheumatologe Dr. Wolfgang Schmidt bei einer Veranstaltung der deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) in Hamburg aufmerksam.

Sichern lässt sich die Diagnose heute zuverlässig mit einer hochauflösenden Ultraschalluntersuchung. Damit können typischen Veränderungen der Arterienwand direkt nachgewiesen werden. "Die Gefäßwand wird dick und dunkel, da sich hier Flüssigkeit einlagert. Auch enge Stellen und Verschlüsse sieht man", erklärt Schmidt von der Rheuma-Klinik Berlin-Buch, wo das Verfahren zur Diagnose der Riesenzellarteriitis entwickelt wurde. Mittlerweile bieten auch viele anderen Zentren in Deutschland diese Untersuchungsmöglichkeit an.

Schmidt: "Wenn der Patient ein eindeutiges klinisches Bild hat und ein eindeutiger Ultraschallbefund vorliegt, kann die Diagnose auch ohne Biopsie und histologische Untersuchung gestellt werden." Allerdings lasse sich durch einen negativen sonografischen Befund die Diagnose nicht sicher ausschließen. Bei bestehendem klinischen Verdacht ist eine operative Entnahme von Gefäßproben und deren histologische Untersuchung weiterhin angezeigt. Eine Kortisontherapie sollte bereits bei Verdacht eingeleitet werden, um irreversible Komplikationen zu verhindern.

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