Ärzte Zeitung online, 25.11.2008

Neuer Biomarker für Vorhersage des Herzinfarkt- und Schlaganfallrisikos

POTSDAM-REHBRÜCKE / TÜBINGEN (eb). Forscher des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) und der Universität Tübingen haben das Eiweißmolekül Fetuin-A als neuen Biomarker identifiziert, mit dem sich das Herzinfarkt- und das Schlaganfallrisiko vorhersagen lassen. Hohe Blutspiegel des Biomarkers sind mit einem drei- bis vierfach höheren Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall verbunden.

Neuer Biomarker für Vorhersage des Herzinfarkt- und Schlaganfallrisikos.

Foto: Sebastian Kaulitzki©www.fotolia.de

Nach Aussage der Forscher könne Fetuin-A in Zukunft als neuer, unabhängiger Risikomarker für die Vorhersage von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bedeutsam werden. Das Eiweißmolekül Fetuin-A wird in der Leber gebildet und ins Blut abgegeben.

"Schon vor einiger Zeit beobachteten wir, dass erhöhte Fetuin-A-Werte im Blut mit einer verminderten Insulinempfindlichkeit der Körperzellen einhergehen und auf eine verstärkte Fetteinlagerung in der Leber hinweisen," erklärt Professor Hans-Ulrich Häring, Direktor der Medizinischen Klinik IV des Universitätsklinikums Tübingen. "Diese Beobachtung brachte uns auf die Idee, mit Hilfe der Potsdamer EPIC-Studiendaten die Zusammenhänge zwischen Fetuin-A-Werten und dem Auftreten bestimmter Erkrankungen näher zu untersuchen", ergänzt Dr. Cornelia Weikert, Erstautorin der Studie und Epidemiologin am DIfE.

Fetuin-A ist bereits als Risikofaktor für Diabetes bekannt

Vor kurzem hatte das Team aus Ärzten und Epidemiologen bereits gezeigt, dass Fetuin-A ein unabhängiger Risikomarker für den Typ-2-Diabetes ist. Nun kann es erstmals belegen, dass auch ein starker Zusammenhang zwischen Fetuin-A-Spiegeln und Herz-Kreislauf-Erkrankungen besteht und dies unabhängig von bekannten Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen und Diabetes. Unabhängig von solchen Faktoren hatten Personen mit einem sehr hohen Fetuin-A-Blutwert im Vergleich zu Personen mit einem niedrigen Wert ein 3,3-fach erhöhtes Herzinfarktrisiko. Das Schlaganfallrisiko war um das 3,8-fache erhöht.

"Der von uns beobachtete Zusammenhang zwischen erhöhten Fetuin-A-Spiegeln im Blut und einem erhöhten Risiko für Herzkreislauferkrankungen ist außergewöhnlich stark", so Weikert. Daher hoffe man, Fetuin-A nicht nur als Biomarker einsetzen zu können. Man wolle Fetuin-A auch als neuen Ansatzpunkt nutzen, um die dem Herzinfarkt und Schlaganfall zugrunde liegenden pathogenen Mechanismen zu erforschen und besser zu verstehen.

"Unsere Ergebnisse deuten an, dass der Leberstoffwechsel und dabei vor allem die Fettleber für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine wichtige Rolle spielt", sagt Privatdozent Andreas Fritsche von der Medizinischen Klinik IV, Abteilungen Endokrinologie, Diabetologie und Angiologie des Universitätsklinikums Tübingen. Angesichts der großen Zahl von Menschen, die von Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen sind, sei es dringend notwendig, die Forschung in diese Richtung zu verstärken.

2007 starben in Deutschland mehr als 358 000 Menschen an Herzkreislauf-Krankheiten

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes starben im Jahr 2007 in Deutschland 358 683 Menschen an Herzkreislauf-Krankheiten. Obwohl sich von 1990 bis 2003 die Zahl der durch koronare Herz-Kreislauf-Erkrankungen bedingten Todesfälle zum Teil deutlich verringerte, sind in den Industrienationen Herz-Kreislauf-Krankheiten immer noch die häufigsten Todesursachen im Erwachsenenalter.

Stichwort EPIC-Studie:

Das Akronym EPIC steht für "European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition". An der Potsdamer EPIC-Studie, in der die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Krankheiten wie Krebs, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht werden, nehmen seit 1994 mehr als 27 000 Erwachsene teil. Während der durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von 8,2 Jahren erlitten 227 Studienteilnehmer einen Herzinfarkt. Bei 168 Teilnehmern diagnostizierten Ärzte einen ischämischen Schlaganfall.

Abstract der Studie "Plasma Fetuin-A Levels and the Risk of Myocardial Infarction and Ischemic Stroke" in Circulation

Weitere Artikel der "Ärzte Zeitung" zu interessanten Ergebnissen der EPIC-Studie

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Rätselhafter Demenz-Rückgang

Eine US-Studie deutet erneut auf eine fallende Demenz-Inzidenz, und zwar besonders in Geburtsjahrgängen ab 1925. Wisssenschaftliche Erklärungen für die Beobachtung fallen schwer. mehr »

Viele Gesundheitspolitiker verteidigen ihr Mandat

Die Großwetterlage hat sich verändert. Doch viele Fachpolitiker schaffen den Wiedereinzug ins Parlament. mehr »

Das Trauma nach der Loveparade

Das tödliche Gedränge bei der Loveparade im Sommer 2010 in Duisburg: Im ARD-Film "Das Leben danach" geht es um die Auswirkungen auf die traumatisierten Überlebenden. mehr »