Ärzte Zeitung online, 13.01.2009

Hybrid-Operationen am Herzen senken Risiken

BONN (eb). Dank eines Tricks können Ärzte am Bonner Universitätsklinikum eine Stenosierung des Aortenbogens, die nach Operation einer verengten linken Herzkammer später häufig auftritt, verhindern. Sie legen während der zweiten Herzoperation mittels Katheter einen nachdehnbaren Stent in die Aorta.

Über Möglichkeiten und Chancen so genannter Hybridoperationen diskutieren am Freitag, 16. Januar, Ärzte auf dem 8. Kinderherz-Symposium im Bonner Uni-Club.

Am Bonner Universitätsklinikum behandeln Kinderkardiologen und Kinderherzchirurgen Hand in Hand viele Neugeborene, Kinder und Jugendliche mit sehr komplexen angeborenen Herzfehlern. Um unter anderem das operative Trauma für diese oft sehr schwer kranken Patienten zu senken, haben sie möglichst schonende Eingriffe im Blick.

Daher entwickelten sie auch so genannte Hybrid-Eingriffe - eine Kombination von Operation und Katheter-Intervention - weiter und konnten bei 29 kleinen Herzpatienten statistisch zeigen, dass diese Eingriffe Risiken senken können. So lassen sich oft auch komplexe Eingriffe im Mittel um 30 Minuten verkürzen. Bei etwa jedem dritten Baby konnte sogar auf eine Herz-Lungen-Maschine oder einen künstlichen Kreislaufstillstand durch tiefe Unterkühlung verzichtet werden - beides sehr belastend. Auch würden durch Hybridoperationen bestimmte Eingriffe wie die Stent-Implantation überhaupt erst möglich, so Privatdozent Johannes Breuer, Direktor der Kinderkardiologie am Universitätsklinikum Bonn, in einer Mitteilung der Uni.

Ein Baby, dass mittels Hybrid-Operation behandelt wird, ist Vivane. Insgesamt drei Operationen sollen dafür sorgen, dass Vivianes Herz-Kreislaufsystem später mit nur einer Herzkammer funktioniert. Denn das jetzt sechs Monate alte Mädchen ist mit einem so genannten hypoplastischen Linksherzsyndrom auf die Welt gekommen.

Eine Woche nach der Geburt wurde in der ersten Operation unter anderem ihre extrem verengte Körperschlagader mit einem Flicken erweitert. "Doch dieses Fremdgewebe ist geschrumpft, und es kam zu einer erneuten Einengung der Aorta. Nur ein nachdehnbarer Stent kann eine spätere zusätzliche Operation verhindern", so Breuer. Doch ein solcher Stent ist viel zu dick, um bei einem Säugling durch die Leistenarterie mittels Katheter in den Aortenbogen platziert zu werden.

Daher wendeten die Bonner Ärzte bei Viviane einen Trick an: Im Alter von vier Monaten wurden bei ihr in einem zweiten Schritt Lungen- und Körperkreislauf operativ vollständig getrennt. Auch bei diesem Eingriff war der Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine erforderlich. Der Zugang der Herz-Lungen-Maschine zur Körperschlagader ist in der Regel ziemlich groß. "So konnten wir dort erfolgreich einen Stent mittels Katheter implantieren, der bis in das Erwachsenalter nachdehnbar ist. Das war hier der Clou", sagt Breuer.

Nach einer Zeit der Sorgen und Ängste feierte die Mutter Janine D. daheim mit ihrer Tochter Viviane deren erstes Weihnachten und Neujahr. "Es lohnt sich diesen schweren Weg zu gehen", sagt die 20-jährige Mutter. Sie möchte anderen Müttern Mut machen, eine solche Zeit mit ihren Kindern durchzustehen.

Obwohl Viviane in etwa zwei Jahren noch eine Herzoperation bevorsteht, kann sie nun nach ihrem schwierigen Start ins Leben Kräfte sammeln und wachsen. "Viviane hat beste Aussichten, einmal ein fast normales Leben zu führen. Auf Leistungssport muss sie allerdings verzichten", so Breuer.

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