Ärzte Zeitung online, 26.03.2009

Meteorologin: Anhaltendes Winterwetter macht schlapp

Freiburg/Frankfurt am Main (dpa). Das wechselhafte Winterwetter geht vielen Menschen auf die Nerven, stresst sie aber auch körperlich. "Das Wetter geht uns gerade auf den Senkel, weil es einfach nicht der Jahreszeit entspricht", sagte Medizin-Meteorologin Angelika Grätz vom Deutschen Wetterdienst (DWD) der dpa.

"Das ist psychisch bedingt und hat erst einmal nichts mit dem Wetter zu tun." Den ständigen Wechsel zwischen Warm- und Kaltfronten empfänden viele Menschen aber auch körperlich als belastend, weil sich der Organismus ständig neu einstellen müsse. "Dann sagen die Leute zurecht: ‚Heute geht es mir gar nicht gut.‘"

"Relativ schnell wechselndes Wetter stresst vor allem die Leute, die körperlich nicht so fit sind", sagte Grätz, die beim DWD in Freiburg arbeitet. So spürten Menschen mit Rheuma oder anderen gesundheitlichen Problemen dann die Stellen im Körper stärker, an denen sie Vorschädigungen haben. Andere fühlten sich schlapp, schliefen schlecht oder seien gereizt.

Aufgleitende Warmluft, die meist mit bedecktem Himmel gekoppelt sei, mache vor allem Menschen mit niedrigem Blutdruck zu schaffen und führe oft zu "Missstimmungen". "Die Leute sind unkonzentrierter und neigen mehr zum Heulen", sagte Grätz. Wenn anschließend die Kaltluft kommt, fühlten sie sich wieder besser. "Leute, die Probleme mit hohem Blutdruck haben oder zu Verkrampfungen neigen, haben bei Kaltluft mehr Probleme." Der Grund: Die Adern verengen sich.

"Wenn man keine gesundheitlichen Probleme hat, sollte man jedes Wetter für die Anpassung des Organismus nutzen und raus gehen", rät Grätz. Körpereigene Anpassungsvorgänge wie Schwitzen und Frieren müssten trainiert werden. "Alleine kriegt man die nicht." Am besten sei es, draußen stramm zu gehen, auch in ansteigendem Gelände. Dabei dürfe man sich weder zu warm noch zu kalt anziehen, sondern "gerade so, dass man nicht friert".

"Die Temperaturen derzeit sind aber eigentlich genial für den Organismus", sagte Grätz. "Wir produzieren ja durch die Aktivität innere Wärme und die müssen wir abgeben, um die 37 Grad Körpertemperatur zu halten. Die werden sie bei den Temperaturen locker los, und es ist auch nicht zu kalt."

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