Ärzte Zeitung online, 03.04.2009

Neue Endoskop-Sonde schont das Gewebe

FREIBURG (eb). Eine neuartige Endoskop-Sonde ermöglicht zerstörungsfreie Gewebeuntersuchungen mit sehr hoher Auflösung. Mithilfe einer variablen Mikrolinse kann auf unterschiedliche Tiefen des Gewebes fokussiert werden.

Neue Endoskop-Sonde schont das Gewebe

Die neue Sonde ist kleiner als ein 2-Cent-Stück.

Foto: Institut für Mikrosystemtechnik (IMTEK)

Wissenschaftler der Universität Freiburg haben eine neuartige Endoskop-Sonde entwickelt, in der erstmals die optische Kohärenztomografie mit Endoskopie gekoppelt ist. Die Sonde ermöglicht Gewebeuntersuchungen im Körper mittels harmloser optischer Strahlen. Sie ist mit einem Mikrokippspiegel und einer variablen Mikrolinse versehen, deren Brennweite dynamisch verändert werden kann.

Die optische Kohärenztomografie (OCT) ist ein Verfahren zur zerstörungsfreien Diagnostik am menschlichen Körper. Bei der OCT wird infrarotes Licht genutzt, das tief ins Gewebe eindringt, um unter der Oberfläche eine Analyse durchzuführen. Das Gewebe wird dabei nicht zerstört.

Die Methode kann sehr feine organische Strukturen - circa zehn Mal kleiner als der Durchmesser eines menschlichen Haares - in der Tiefe unterscheiden. Darin ist sie anderen Untersuchungsmethoden, zum Beispiel dem Ultraschall, deutlich überlegen.

Die neu entwickelte OCT-Endoskop-Sonde ermöglicht erstmals Gewebeuntersuchungen im Körper mittels optischer Strahlen. Durch Lichtfaser-Kopplung können hoch aufgelöste dreidimensionale Schichtaufnahmen von menschlichem Gewebe im Inneren des Körpers gemacht werden.

Die Wissenschaftler hoffen, dass ihre Sonde sich bei Untersuchungen von Verengungen in menschlichen Arterien und bei der Früherkennung von Tumoren ohne Gewebeentnahme bewähren wird. Weitere mögliche Einsatzgebiete sind Schichtaufnahmen in engen Körperkanälen, zum Beispiel der Speiseröhre, und weiteren Kanälen des Verdauungstrakts.

Die Endoskopie ist ein minimal-invasives medizinisches Verfahren, das sich im klinischen Bereich etabliert hat, um innere Gewebe des menschlichen Körpers zu untersuchen. Operationen auf Endoskopie-Basis sind nur minimal schädigend für das Gewebe, da hierbei entweder vorhandene Körperkanäle oder minimale Operations-Öffnungen im Körper genutzt werden.

Die technische Umsetzung erfordert, dass der Endoskop-Kopf möglichst klein gefertigt wird, ohne dabei die Funktionsweise des Endoskops zu beeinträchtigen. Konventionell hergestellte Endoskope sind hinsichtlich ihrer Verkleinerung begrenzt. Die Miniaturisierung von im Endoskop integrierten Mikrosystemen, beispielsweise Mikrolinsen oder Mikrokippspiegel, führt zu einer signifikanten Verkleinerung endoskopischer Sonden.

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