Ärzte Zeitung, 03.08.2009

Kommentar

Kaum Anreize für ein gesundes Leben

Von Thomas Müller

Gesund zu leben lohnt sich - fürs Herz, fürs Gehirn, nicht aber für den Geldbeutel. Solange die Folgen eines ungesunden Lebensstils komplett von einer Solidargemeinschaft finanziert werden, wird sich daran auch kaum etwas ändern, da können noch so viele Studien belegen, wie gesund doch ein gesunder Lebenswandel ist. Überraschend an solchen Studien ist vor allem eines: Sie haben keine politischen Konsequenzen.

Dass die größten Kosten im Gesundheitssystem durch Krankheiten entstehen, die vermeidbar sind, bezweifelt kaum noch jemand. Es wäre daher Zeit, den Menschen mehr Verantwortung zu übertragen. Das gelänge am besten über ein vernünftiges Bonus-System. Dafür müsste man nur einmal jährlich die wichtigsten Risikofaktoren ärztlich überprüfen: schnell auf die Waage (BMI), auf das Ergometer (Fitness) und eine kleine Blutspende (Leberwerte, Nikotinabbauprodukte). Wer dabei günstig abschneidet, kann sich bis zur Hälfte oder ein Drittel der üblichen Kassenbeiträge sparen, die dann natürlich neu berechnet werden müssen. Das würde vermutlich mehr Anreize für einen gesunden Lebenswandel setzen als die paar Euro, die manche gesetzliche Kasse zurückzahlt, wenn jemand regelmäßig an Präventionsmaßnahmen teilnimmt.

Lesen Sie dazu auch:
Das Herz freut sich über jeden gesund gelebten Tag

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[03.08.2009, 12:35:50]
Uwe Schneider 
Selbstbeteiligung bei Selbstverschulden?!?
Der Vorschlag von Herrn Müller ist mir sehr sympathisch. Gezielte Selbstbeteiligung des Patienten bei Selbstverschulden ist allemal besser als eine pauschale Zurückdrängung der Solidarität und der Leistungen der GKV.

Ein wenig zögern lässt mich allerdings die Frage, inwieweit BMI oder allgemein der Lebenstil wirklich nur vom freien Willen des Betroffenen abhängen. Gibt es nicht gerade hinsichtlich des Übergewichts auch nicht unerhebliche genetische Einflüsse, deren Bedeutung wir erst so langsam erkennen? Dafür könnte der Patient nichts. Ist das Ernährungsverhalten nicht auch vielfach anerzogen? Können wir Kinder für ihre Eltern in Haftung nehmen?

Das alles sollen keine KO-Kriterien für das vorgeschlagene Selbstbeteiligungsmodell sein (und die Verweigerung von Prämien wäre nichts anderes als eine verdeckte Selbstbeteiligung). Aber man muss doch auch hier Augenmaß bewahren und mit Schuldzuweisungen zurückhaltend sein. Und man darf gerade was das Ernährungsverhalten angeht die Prävention nicht vernachlässigen und muss hier die Schulen stärker ins Boot holen, was ja glücklicherweise zunehmend auch geschieht. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Resolution gegen DSGVO-Verunsicherung und Abmahn-Angst

Nach einer ersten Abmahnwelle in Bremen wächst bei Ärzten die Verunsicherung wegen der Datenschutzgrundverordnung. 60 Verbände und die KBV haben darauf nun reagiert. mehr »

Der kleine Unterschied ist größer als gedacht

Krankheiten verlaufen bei Männern und Frauen unterschiedlich, das ist bekannt. Die Gendermedizin deckt immer mehr die geschlechtsspezifischen Besonderheiten auf. mehr »

Neue Leitlinie stärkt medikamentöse ADHS-Therapie

In den neuen S3-Leitlinien zu ADHS wird die medikamentöse Therapie bei mittelschweren Symptomen gestärkt. Experten betonen aber, dass die Arzneien nur ein Teil eines umfassenden Therapiekonzepts sein dürfen. mehr »