Ärzte Zeitung online, 17.08.2009

Heidelberger Herzchirurgen implantieren neuartiges "Kunstherz"

HEIDELBERG (eb). Heidelberger Herzchirurgen haben Ende Juli weltweit erstmals ein innovatives "Kunstherz" implantiert, das besonders effektiv, schonend und leise die Pumpfunktion der linken Herzkammer ersetzt. Bei dem 92 Gramm schweren Gerät handelt es sich um eine Herzpumpe aus Kunststoff und Titan, die das Blut aus der geschwächten linken Herzkammer in die Hauptschlagader pumpt.

"Die Patientin hat den 3,5-stündigen Eingriff gut überstanden und ist wohlauf", berichtet Professor Matthias Karck, Ärztlicher Direktor der Klinik für Herzchirurgie am Universitätsklinikum Heidelberg. Die 50-jährige Frau litt an einer Herzschwäche, die nicht mit Medikamenten behandelt werden konnte. Da aus medizinischen Gründen eine Herztransplantation nicht infrage kam, wird die implantierte Herzpumpe nun dauerhaft ihr Herz unterstützen.

"Die Herzpumpe kann prinzipiell auch als Überbrückung für eine Herztransplantation eingesetzt werden", berichtet Privatdozent Dr. Arjang Ruhparwar, Oberarzt in der Heidelberger Herzchirurgie. Dann wird die Pumpe gemeinsam mit dem erkrankten Herz entfernt und durch ein Spenderherz ersetzt.

Bei dem Gerät handelt es sich um die 5. Generation des sogenannten DeBakey-Herzens. Es war in den 90-er Jahren in Zusammenarbeit mit der NASA von dem renommierten, 2008 verstorbenen amerikanischen Herzchirurgen Professor Michael DeBakey am Baylor College of Medicine in Houston entwickelt worden und wird jetzt von der US-Firma Micromed vertrieben. Aus der zunächst mehr als 1 Kilogramm schweren Pumpe, die nicht in den Brustkorb passte, ist mittlerweile ein handliches, leichtes Miniatur-Gerät geworden, das unmittelbar am Herzen getragen und extern überwacht und gesteuert werden kann.

"Das neue Gerät hat große Vorteile: Es ist mit 92 Gramm Gewicht weltweit das kleinste Gerät, welches die Funktion der linken Herzkammer vollständig ersetzen kann und es arbeitet besonders leise und effektiv mit einer hohen Flusszahl", erklärt Karck. Patienten sind damit in der Lage, ein nahezu normales Leben zu Hause zu führen. Die Klinik kann sie zudem rund um die Uhr elektronisch überwachen.

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