Ärzte Zeitung online, 24.08.2009

Kardiologe: Kernspin kann oft Herzkatheter ersetzen

HAMBURG (dpa). Eine Diagnose per Magnetresonanztomografie (MRT) kann vielen Patienten eine Herzkatheter-Untersuchung ersparen. Das hat eine Pilotstudie mit Daten von mehr als 11 000 Patienten in Deutschland ergeben. Die MRT, auch Kernspin genannt, liefert hochauflösende und genaue Bilder des Herzmuskels.

"Bei 45 Prozent der Patienten musste nach der Diagnose per MRT der Herzkatheter nicht eingesetzt werden, bei jedem sechsten Patienten wurde vor der MRT sogar eine falsche Diagnose gestellt." Das sagte Dr. Oliver Bruder, Kardiologe am Elisabeth-Krankenhaus Essen, am Montag der dpa.

Der Einsatz der MRT in der Kardiologie habe in den vergangenen fünf Jahren deutlich zugenommen, dies liege auch an Fortschritten in der Medizintechnik. "Die Bilder sind qualitativ so gut, dass man auch sehr kleine Narben der Herzmuskulatur erkennen kann. Außerdem lassen sich die Herzklappen, die Herzmuskulatur und die Herzdurchblutung in einer einzigen Untersuchung beurteilen", sagte Bruder. Bei jedem vierten Patienten wurde nach der MRT-Untersuchung die Therapie mit Medikamenten geändert.

Die Bedeutung des Kernspins werde bei der Diagnose von Herzkrankheiten weiter zunehmen. "Der Herzkatheter wird nicht verschwinden, aber das MRT erlaubt es, diese invasive Methode immer gezielter einzusetzen."

Beim Herzkatheter schiebt der Arzt einen dünnen Kunststoffschlauch durch die Leiste bis zum Herzen. Viele Betroffenen haben Angst vor diesem Eingriff, häufig müssen sie dafür im Krankenhaus bleiben. "Die MRT-Untersuchung kommt ohne Röntgenstrahlen aus, es muss kein iodhaltiges Röntgen-Kontrastmittel gespritzt werden, sie belastet also nicht. Bei 86 Prozent der Patienten reicht sie als alleiniges Diagnoseverfahren aus. Die MRT wird die Kardiologie verändern", erläuterte der Mediziner weiter. Beim Kernspin müssen die Betroffenen in eine Röhre, mit Hilfe von Magnetfeldern werden Bilder gemacht, die das untersuchte Organ in Scheiben darstellen können.

Der Experte wies auch auf günstigere Kosten hin: So werden nach seinen Angaben für eine Herzkatheter-Untersuchung etwa 2500 Euro fällig, bei MRT seien es etwa 500 bis 800 Euro. Für die Pilotstudie werteten Bruder und Dr. Heiko Mahrholdt vom Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart seit 2007 Daten aus 20 Herzzentren in Deutschland aus.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes starben im Jahr 2007 in Deutschland 358 683 Menschen an Krankheiten des Herzkreislaufsystems. Sie sind nach wie vor die häufigste Todesursache von Erwachsenen.

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