Ärzte Zeitung, 16.11.2009

Hirnkühlung erhöht Überlebenschancen

Transnasale Applikation von Kühlmittel nach Herzstillstand und Reanimation / Prästationärer Therapiestart

ORLANDO (ob). Eine sehr frühe transnasale zerebrale Kühlung erhöht nach erfolgreicher Reanimation von Patienten mit Herzstillstand deren Chancen, ohne bleibende Hirnschäden zu überleben.

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Foto: Sebastian Kaulitzki ©www.fotolia.de

Jährlich werden in Deutschland etwa 100 000 Menschen mit Herzstillstand kardiopulmonal wiederbelebt. Allerdings haben davon nur wenige eine Chance, lebend aus dem Krankenhaus entlassen zu werden.

Inzwischen weiß man, dass moderate Senkung der Körpertemperatur auf eine Zieltemperatur von 32 bis 33 Grad die durch Hypoxie und Reperfusion bedingte Organschädigung minimieren oder verhindern und die Überlebenschancen verbessern kann. Für die Kühlungsbehandlung gibt es mehrere Methoden. Mit dem Ziel, eine möglichst rasche zerebrale Kühlung herbeizuführen, hat ein Team um Dr. Maaret Castrén aus Stockholm jetzt ein neues Verfahren erfolgreich getestet: die transnasale Kühlung mit einem "RhinoChill" genannten Kühlgerät.

Es ermöglicht, mit der zerebralen Kühlung bereits prästationär zu beginnen. Das geschieht über einen in die Nasenhöhle eingeführten Katheter, über den ein mit Sauerstoff vermischtes flüchtiges und biologisch inaktives Kühlmittel (Perfluorchloran) appliziert wird. Getestet wurde die Methode bei 83 reanimierten Patienten mit Herz-Kreislaufstillstand; 99 konventionell versorgte Patienten bildeten die Kontrollgruppe. Mit der Kühlung wurde im Mittel 23 Minuten nach Herzstillstand begonnen.

Schon bei stationärer Aufnahme war die Körpertemperatur dieser Patienten deutlich niedriger als die der Kontrollpatienten. Die Bilanz der beim AHA-Kongress in Orlando vorgestellten Studie: Mit Kühlung überlebten 47 Prozent der Patienten, ohne diese Maßnahme nur 31 Prozent. Von den Patienten mit therapeutischer Kühlung befanden sich bei der Entlassung 37 Prozent in gutem neurologischen Zustand, in der Vergleichsgruppe nur 21 Prozent.

Je früher die Kühlung, desto besser: Bei den 137 Patienten, die innerhalb der ersten zehn Minuten reanimiert wurden, verließen in der Gruppe mit Kühlung 59 Prozent lebend und 46 Prozent in gutem neurologischen Zustand die Klinik, in der Kontrollgruppe 29 respektive 18 Prozent.

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