Ärzte Zeitung online, 12.02.2010

Niedriger IQ - hohes Herzinfarktrisiko

DÜSSELDORF (eb). Ein niedriger Intelligenz-Quotient (IQ) ist nach dem Rauchen der wichtigste Risiko-Indikator für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung, bedeutsamer noch als Übergewicht und Bluthochdruck. Dies trifft auch auf die Gesamtsterblichkeit zu.

Niedriger IQ - hohes Herzinfarktrisiko

Eine geringere Intelligenz führt wohl zu einem ungesunderem Leben, das Herz und Gefäße schädigt. © Sebastian Kaulitzki / fotolia.com

Das ist das Ergebnis einer Studie mit 1145 Teilnehmern unter Studienleiter Dr. David Batty. Batty nennt mehrere Mechanismen, wodurch ein niedriger IQ das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung erhöht. Besonders sind das der Zusammenhang von geringer Intelligenz und gesundheitsschädigendem Verhalten zum Beispiel hinsichtlich Rauchen oder geringer körperlicher Aktivität und die damit verbundenen Folgen wie Übergewicht oder Bluthochdruck.

Eine weitere mögliche Erklärung sei der Umstand, dass der IQ eines Menschen als Indikator der Summe im Laufe seines Lebens erfolgter physischer Schäden etwa durch Krankheit oder Fehlernährung angesehen werden kann. (European Journal of Cardiovascular Prevention and Rehabilitation 17, 2010, 24).

"Empfehlungen zur Prävention müssen auf die geistigen Aufnahme-Fähigkeiten und auf die realen Lebens- und Arbeitsbedingungen des Adressaten abgestimmt sein", kommentiert Professor Helmut Gohlke, Chefarzt am Herz-Zentrum in Bad Krozingen die Ergebnisse der Studie.

Die Wissenschaftler untersuchten die Auswirkungen sozialer Faktoren auf die Gesundheit in der Allgemeinbevölkerung. Dabei wurden Daten von 1145 Teilnehmern im Alter von rund 55 Jahren, über einen Zeitraum von 20 Jahren beobachtet. Erfasst wurden dabei Daten zu Körpergröße, Gewicht, Blutdruck, Tabakkonsum, körperlicher Aktivität, Bildung und Beruf. Der IQ wurde mit einem der üblichen Intelligenztests ermittelt.

Es sei seit langem bekannt, dass sozial Unterprivilegierte eine erheblich geringere Lebenserwartung haben als Bevölkerungsgruppen in den oberen sozialen Schichten. "In Deutschland ist das Mortalitätsrisiko der niedrigeren Einkommensgruppen bei vergleichbarem Alter im Vergleich zur ökonomisch am besten gestellten Gruppen um den Faktor 2,5 erhöht, und damit liegt die Bedeutung des sozialen Status - gemessen am Einkommen - in der gleichen Größenordnung wie diejenige des IQ", so Gohlke.

Die Studie wurde vom britischen Medical Research Council finanziert.

Abstract der Studie: "Does IQ predict cardiovascular disease mortality as strongly as established risk factors? Comparison of effect estimates using the West of Scotland Twenty-07 cohort study"

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