Ärzte Zeitung online, 09.04.2010

Bei über 65-Jährigen kann Übergewicht bei Katheter-Eingriff günstig sein

MANNHEIM (eb). Übergewicht ist ungesund - doch in einer speziellen Konstellation könnte es für Herzpatienten günstig sein und die Lebenszeit verlängern. Das belegen Daten einer aktuellen Studie der Universitäten Halle-Wittenberg und Stanford, die auf der Frühjahrstagung der DGK in Mannheim präsentiert wurden.

Patienten mit einem Body-Mass-Index von mehr als 25 hatten nach einer Katheter-Intervention mit Stent-Implantation eine bessere Überlebensprognose als Patienten mit einem niedrigeren BMI - allerdings nur dann, wenn sie über 65 Jahre alt waren. Bei jüngeren Patienten gab es diesen Effekt nicht.

Für die Studie wurden die Daten von mehr als 1 800 Patienten ausgewertet, wobei ein Verlauf von durchschnittlich 137 Wochen nach Stent-Implantation beobachtet wurde. Insgesamt gab es in der Gruppe der übergewichtigen Patienten mit einem BMI von mehr als 25 mit 18 Prozent Todesfällen im Beobachtungszeitraum ein günstigeres Sterblichkeitsrisiko als in der Gruppe der normalgewichtigen Patienten (24 Prozent Mortalität).

Eine Auswertung nach Alter zeigte allerdings, dass dieser Effekt nur für die über 65-Jährigen gilt. Bei den Patienten zwischen 55 und 65 Jahren war die Sterblichkeit bei Normal- und Übergewichtigen gleich hoch.

"Auch wenn es in dieser spezifischen Konstellation - Alter über 65 und PCI - ein gewisses Maß an Übergewicht günstiger zu sein scheint, bleibt das wichtige Prinzip der Herzgesundheit aufrecht: Übergewicht und damit häufig verbundene Faktoren wie hohe Blutzuckerspiegel, hoher Blutdruck oder ungünstige Blutfettwerte stellen, besonders in Kombination mit dem Rauchen, zentrale Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen dar", betonte DGK-Sprecher Professor Eckart Fleck aus Berlin vor einer falschen Interpretation der Studienergebnisse.

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