Ärzte Zeitung, 26.05.2010

Rauchen, Ausdauersport - und Morbus Osler

Wegen eines neu aufgetretenen "Herzgeräuschs" war ein 47-jähriger Mann zur Diagnostik in die Regensburger Uniklinik überwiesen worden. Doch das Geräusch kam aus der Lunge.

Von Thomas Meißner

Rauchen, Ausdauersport - und Morbus Osler

Bei der Pulmonalisangiographie mit arterieller (links) und venöser Phase (rechts) bestätigte sich der Befund. © (3) Springer Medizin Verlag

Eigentlich war der Mann nur wegen einer Erkältung zum Hausarzt gegangen. Dieser hatte auf der Thoraxröntgenaufnahme einen runden Schatten im rechten Lungenoberfeld gesehen und ein Systolikum gehört. Die Trommelschlegelfinger mit Uhrglasnägeln waren bei dem Patienten seit früher Kindheit bekannt. Dem starken Raucher und Ausdauersportler ging es nach eigenen Angaben ansonsten gut, und er war normal belastbar, obwohl eine zentrale Zyanose sichtbar war, berichten Dr. Michael Ried aus Regensburg und seine Kollegen (Pneumologe 2010; 7: 45).

Rauchen, Ausdauersport - und Morbus Osler

Die Trommelschlegelfinger mit Uhrglasnägeln hatte der Patient schon seit der frühen Kindheit.

Überraschend war der Befund der arteriellen Blutgasanalyse dann aber doch: Mit Raumluft lag der Sauerstoffpartialdruck bei nur 48 mmHg, die Sauerstoffsättigung bei 88 Prozent. Selbst mit hundertprozentigem Sauerstoff normalisierten sich diese Werte nicht. Die Thorax-CT mit Kontrastmittel ergab ein großes Gefäßkonvolut rechts parakardial im vorderen Zwerchfellwinkel, eine Kurzschlussverbindung zwischen Pulmonalarterien und -venen. Auf diese Weise umging schätzungsweise ein Viertel des venösen Blutes die Oxygenierung in der Lunge und gelangte unverändert in den großen Körperkreislauf. Die Trommelschlegelfinger und die Zyanose waren also Zeichen einer chronischen Hypoxie.

Im Mund und in der Nase fanden die Regensburger Kollegen außerdem Teleangiektasien, sodass sie trotz fehlender Epistaxis und negativer Familienanamnese von einem Morbus Osler ausgingen, einer autosomal-dominant vererbten Gefäßerkrankung. Die Thoraxchirurgen entfernten das Gefäßkonvolut. Bereits in der Woche danach fühlte sich der Patient deutlich besser als früher. Ein halbes Jahr später war er beschwerdefrei und ergospirometrisch überdurchschnittlich belastbar. Die Zyanose war verschwunden, die Blutgasanalyse-Werte waren normal.

Morbus Osler
Morbus Osler (Synonyme: hereditäre hämorrhagische Teleangiektasie, Osler-Rendu-Weber-Syndrom) ist eine autosomal-dominant vererbte Erkrankung. Die Häufigkeit wird auf 1/5000 bis 8000 Einwohner geschätzt.

Symptome: In der Haut und den Schleimhäuten treten viele, leicht blutende Teleangiektasien auf sowie arteriovenöse Aneurysmen und Fisteln mit teilweise großen Shuntvolumina. Etwa fünf Prozent der Patienten sterben Angaben zufolge an inneren Blutungen. Häufiges Nasenbluten gilt als das Leitsymptom. (ner)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wann das Smartphone für Kinderaugen gefährlich wird

Kleine Kinder sollten lieber mit Bauklötzen spielen als mit Smartphones, raten Augenärzte. Denn: Wenn die Kleinen häufig und lange auf Bildschirme starren, leiden nicht nur ihre Augen. mehr »

Quereinstieg zum Hausarzt – reicht ein Jahr Weiterbildung?

Der Deutsche Hausärzteverband warnt vor einer Verwässerung der Weiterbildung zum Allgemeinmediziner. Ein Jahr Weiterbildung reiche nicht für Umsteiger aus der Klinik. mehr »

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »