Ärzte Zeitung, 24.06.2010

Kommentar

Revival der Hirntoddebatte

Von Nicola Siegmund-Schultze

Jede Neuformulierung des Hirntodkonzepts oder eine Korrektur der Richtlinien für die Hirntoddiagnostik könnte die Zahl postmortal gespendeter Organe sinken lassen - diese Angst etwa der Transplantationsmediziner ist nachvollziehbar. Wenn es aber ernst zu nehmende neue Erkenntnisse gibt, muss man sie selbst dann diskutieren, wenn sie alte Zweifel am Konzept des Hirntods oder seiner Diagnostik nähren. Sich grundsätzlich den Argumenten renommierter Forscher zu verschließen, die nun apparative Untersuchungen zusätzlich zur klinischen Diagnostik für sinnvoll halten, könnte bedeuten, Vertrauen zu verspielen.

Denn zwei Dinge dürften gesellschaftlich nicht konsensfähig sein: ein Abweichen vom Prinzip "lebenswichtige Organe nur vom toten Spender" und Kompromisse bei der Zuverlässigkeit der Diagnostik des Todes zugunsten der Explantation von Organen und zum potentiellen Schaden des Spenders. Die moralisch-ethische Verpflichtung gegenüber Spendern gebietet, die Hirntoddiagnostik sowohl apparativ als auch personell auf dem aktuellsten Stand zu halten. Selbst auf die Gefahr, dass Korrekturen oder Zusatzuntersuchungen der postmortalen Spende kurzfristig nicht förderlich sind: Stillschweigen könnte auf lange Sicht mehr schaden.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Anlass zu zweifeln: Wie sicher ist die derzeitige Diagnostik des Hirntodes?

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »

Das ist bei einer Datenpanne zu tun

Bei einem Datenleck in der Praxis sind Inhaber nach der Datenschutzgrundverordnung verpflichtet, dies zu melden. Wem und wie, das erläutern Medizinrechtler. mehr »

Urologen befeuern Diskussion um Herztoddiagnostik

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie fordert große Reformen bei der Organspende. DGU-Präsident Professor Paolo Fornara erläutert im Interview, welche Neuregelungen seiner Meinung nach dringend nötig sind. mehr »