Ärzte Zeitung online, 10.08.2010

Ohne Operation: Clip hält undichte Herzklappe zusammen

ULM (eb). Premiere in der Ulmer Universitätsmedizin: Bei Herzpatienten, die eine undichte Mitralklappe haben, kann nun per Katheter ein Clip auf diese Klappe gesetzt und damit die Undichtigkeit beseitigt werden. Vorteil für die Patienten: Die Eröffnung des Brustkorbes entfällt. Weltweit bieten nur wenige Zentren diesen Eingriff an.

Ohne Operation: Clip hält undichte Herzklappe zusammen

Dieser kleine Mitral-Clip kann Patienten mit undichter Herzklappe eine große Operation ersparen.

© UK Ulm

"Wenn die Mitralklappe nicht richtig schließt, kommt es zu einem Rückstau des Blutes in der Lunge. Die Patienten leiden in der Folge unter Leistungsschwäche und erheblicher Atemnot. Eine undichte Mitralklappe - die Ärzte sprechen von Mitralklappeninsuffizienz - tritt relativ häufig auf", so Professor Wolfgang Rottbauer in einer Mitteilung der Uni Ulm. "Die konventionelle Therapieform sah bisher die Eröffnung des Brustkorbes vor. Dafür musste in jedem Fall das Herz kurzfristig stillgelegt und der Patient an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden", so Rottbauer. Diese Methode berge insbesondere für Patienten mit schweren Begleiterkrankungen Risiken.

Auch bei der neuen Methode bekommen die Patienten eine Vollnarkose, aber der Kathetereingriff ist minimal-invasiv. Bei dem Mitral-Clipping wird der Katheter zunächst über die rechte Leistenvene in den rechten Vorhof des Herzens geschoben und von dort durch die Vorhofscheidewand in den linken Vorhof direkt über die Mitralklappe.

Dann wird an der Stelle, an der die Herzklappe undicht ist, ein Clip platziert, der die Klappenränder zusammenhält und damit die Undichtigkeit der Herzklappe reduziert. Im Anschluss überprüfen die Ärzte mittels Ultraschall die Position des Clips und die Funktion der Mitralklappe.

Die bislang gemachten Erfahrungen zeigten, dass so therapierte Patienten eine deutlich verbesserte Lebensqualität erreichen könnten. Der Verzicht auf eine Operation am offenen Herzen bedeute insbesondere für schwerkranke Patienten eine schonende Option.

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