Ärzte Zeitung online, 12.10.2010

Risiko für plötzlichen Kindstod verringern

Ultraschalluntersuchung erkennt gefährdete Babys

MAINZ (eb). Mangelnder Blutfluss zum Gehirn kann bei Babys zum gefürchteten plötzlichen Kindstod führen. Dies ergaben Untersuchungen von Bamberger Ultraschallexperten an mehr als 18 000 Neugeborenen. Auslöser der Minderdurchblutung ist häufig ein stark zur Seite gedrehter Kopf, wenn das Baby auf dem Bauch liegt.

Über Studienergebnisse hierzu und den vielfältigen Einsatz von Ultraschall in der Kinderheilkunde diskutieren Experten während "Ultraschall 2010", dem 34. Dreiländertreffen der Deutschen (DEGUM), Österreichischen (ÖGUM) und Schweizer (SGUM) Gesellschaften für Ultraschall in der Medizin vom 20. bis 23. Oktober 2010 im Congress Centrum Mainz.

Das sogenannte Sudden Infant Death Syndrome (SIDS) ist die häufigste Todesursache im ersten Lebensjahr jenseits der Neugeborenenphase. Jährlich sterben in Deutschland circa 400 Säuglinge an SIDS. Die genauen Ursachen sind bislang unbekannt. Professor Karl-Heinz Deeg, Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche von der Sozialstiftung des Klinikums Bamberg, vermutet eine verminderte Blutversorgung im Hirnstamm als mögliche Ursache. Der Hirnstamm ist Sitz des Atemzentrums, das für den unwillkürlichen Atemantrieb verantwortlich ist. Die Blutversorgung erfolgt über Äste der Arteria basilaris.

Laut Deeg kann es bei einzelnen gefährdeten Kindern in dieser Arterie während Kopfrotation zu Durchblutungsstörungen kommen. Seit 1998 untersuchte er in Bamberg mehr als 18 000 Neugeborene mit einer sogenannten Doppler-Sonografie. Dabei werden mit einer über der Fontanelle des Babys aufgesetzten Ultraschallsonde Richtung und Geschwindigkeit der Blutbewegung in der Arteria basilaris gemessen.

"Durch ein dopplersonografisches Screeningprogramm der Hirnbasisarterien können Risikokinder erkannt und die Inzidenz von SIDS gesenkt werden", sagt Deeg in einer Mitteilung der drei Sonografie-Gesellschaften. Bei den meisten Neugeborenen fließt das Blut in der Arteria basilaris ungehindert - unabhängig von der Lage. Bei 1,5 Prozent der Babys jedoch fließt es - verursacht etwa durch seitliches Drehen des Kopfes in Bauchlage - sehr langsam. Mitunter stockt bei ihnen sogar der Blutstrom oder fließt rückwärts. "Dies würde erklären, warum über 80 Prozent aller verstorbenen Kinder auf dem Bauch liegend gefunden werden", so Deeg.

Die Bauchlage ist eine der wichtigsten Risikofaktoren für den plötzlichen Kindstod. Deeg stellte bei insgesamt 213 Säuglingen eine Gefährdung fest. "Risikokinder mit krankhaftem Blutfluss überwachen wir mit einem Herzatemmonitor", erläutert Deeg. Keines dieser 213 gefährdeten Kinder starb am plötzlichen Kindstod. Der einzige Todesfall trat bei einem Kind auf, das laut Ultraschalluntersuchung nicht gefährdet war. In der Gesamtgruppe aller untersuchten Kinder war der plötzliche Kindstod trotz dieses Todesfalls deutlich seltener als in einer Kontrollgruppe von 3519 Kindern, die nicht untersucht wurden. Dort kam es zu vier plötzlichen Todesfällen.

Umfassende Kongressinformationen sowie Fortbildungsbeiträge und Expertenpodcasts zu den Themen des 34. Dreiländertreffens sind unter www.ultraschall2010.de abrufbar.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Jede achte Frau braucht nach der Geburt Antidepressiva

Etwa elf Prozent aller Frauen leiden im ersten Jahr nach der Geburt an Depressionen. Unter jungen Frauen im Alter von 15 bis 19 Jahren ist der Anteil fast doppelt so hoch. mehr »

Die Malaria-Gefahr wächst

Weltweit steigen Erkrankungszahlen an Malaria seit zwei Jahren wieder. Es trifft nicht nur Kinder in Entwicklungsländern, sondern auch Reisende aus Deutschland. mehr »

„Mütter sind die zentralen Ansprechpartner“

In dieser Woche werben Urologen für die HPV-Impfung. Vor allem bei Jungen besteht Nachholbedarf. Wie sie für eine Impfung gewonnen werden sollen, erklärt der Vorsitzende des Berufsverbandes Dr. Axel Schroeder. mehr »